Das Wort zum Sonntag – 18. Sonntag im Jahreskreis

Liebe Pfarrgemeinde!

Rainer Maria Rilke, der bekannte österreichische Lyriker, hat einmal Folgendes erlebt. Er saß in einem Kaffee. Da erblickte er auf der anderen Seite der Straße eine Bettlerin. Er beobachtete wie die Menschen immer wieder Münzen in die Hand dieser Frau legten und dann achtlos an ihr vorübergingen. Rilke stand auf und ging zu der Frau. Doch er schenkte ihr kein Geldstück: Rilke schenkte der Frau eine Rose und lächelte sie an. Freudestrahlend ergriff die Bettlerin Rilkes Hand. Dabei strahlte auch sie. Eine ganze Woche danach war die Bettlerin nicht zu sehen. Einem Freund, der das miterlebt hatte erklärte Rilke: "Man muss dem Herzen der Frau was geben, und nicht nur eben Geld!"

Was Rilke erlebt und getan hat, das hat sehr viel mit dem zu tun, was wir im Evangelium und auch in der Lesung gehört haben. Wir hören, dass viele Menschen Jesus suchen. Es gelingt ihm nicht, sich zurückzuziehen. Jesus ist ein gesuchter Mann. Denn er hat etwas, er strahlt aus, wonach sich die Menschen sehnen.

Gerade durch Jesus wird für die Menschen spürbar, was es heißt: „Gott schenkt Leben in Fülle.“ Dazu gehört nicht nur unsere Gesundheit, dazu gehört auch, dass ich geliebt werde. Doch dieses Evangelium ist ein sehr realistisches Evangelium. Wir haben auch Bedürfnisse für unseren Körper. Wir brauchen genügend zu essen, zu trinken. Genauso ist uns Kleidung, eine Wohnung, ja ein Zuhause sehr wichtig. Die Bettlerin im Leben von Rilke brauchte auch Geld, um sich zu essen kaufen zu können. Wenn jemand in Not ist, nützt es wenig, von der Liebe Gottes zu erzählen, wenn er keine konkrete Hilfe von uns erfährt. Jesus hat die Not der Menschen gesehen - auch die Not, dass sie auch etwas zu essen brauchen.

Ich wünsche euch, uns allen, von ganzem Herzen, dass wir die Fülle des Lebens erfahren und auch dazu beitragen, das andere sie durch uns mit erfahren können.

Franz Pamminger