Das Wort zum Sonntag – 17. Sonntag im Jahreskreis

Liebe Pfarrgemeinde!

Die alten Römer hielten ihre Gottheiten für leicht berechenbar – zumindest im geschäftlichen Sinn. Darum versuchten sie auch die Angelegenheiten zwischen den Göttern und den Menschen auf Vertragsbasis zu regeln. Knapp und präzise wie alle ihre Formeln für juristische Tatbestände war auch die Formel dieses irdisch-himmlischen Tauschgeschäftes: „Do, ut des – Ich gebe dir, damit du mir gibst.“

Zwar hat sich Jesus mit größter Hingabe bemüht, uns den feinen Unterschied zwischen „Gebt, so wird euch gegeben werden“ und „Bittet, so wird euch gegeben werden“ beizubringen, doch geistert offensichtlich noch immer genügend kaufmännisches Denken in unserer christlichen Vorstellungswelt herum. Denn wie sonst käme es uns immer wieder in den Sinn, Gott durch bestimmte Leistungen zu bestimmten Gegenleistungen zwingen zu wollen!

Gott ist einer, der uns das, was er uns gibt, von sich aus gibt. Er tut das aus freien Stücken – aus Liebe.

Und vor allem: wären wir wirklich vollendete „Krämerseelen“, dann wäre uns schon längst aufgefallen, was für ein schlechtes Geschäft es wäre, wenn wir darauf warten würden, dass Gott seine Gnade, die sich nicht zerteilen lässt, auf die Goldwaage legt und unseren Verdiensten entsprechend aufzuteilen beginnt.

Ihr Pfarrer