Das Wort zum Sonntag – 4. Sonntag der Osterzeit

Liebe Pfarrgemeinde!

In der Ausgabe der Oberösterreichischen Nachrichten vom Dienstag, 20.04.2021 findet sich ein Artikel mit der Überschrift: „Erstkommunion in Etappen: So trotzen Pfarren dem Virus“ und in weiterer Folge: „Corona verhindert auch heuer große Feste in vollen Kirchen. Die Devise in den Pfarren lautet: mehrere Feiern in kleinem Rahmen“. In diesem Artikel wird unter anderem der Leiter des Kommunikationsbüros der Diözese Linz Michael Kraml zitiert: „Viele Pfarren sind kreativ geworden und haben die Erfahrung gemacht, dass kleine Feiern inniger sein können als große, weniger persönliche Feiern.“

„Viele Pfarren (Pfarrgemeinden) sind kreativ geworden …“ - das trifft den Nagel auf den Kopf - nicht nur jetzt in der Zeit der Corona-Pandemie. Sie sind deshalb kreativ geworden, weil sie nahe am Menschen sind, weil sie wissen, was die Menschen brauchen, wo die Bedürfnisse der Menschen liegen. Ich befürchte, dass genau diese Nähe (trotz aller Beteuerungen) mit dem Strukturprozess der Diözese Linz aufs Spiel gesetzt wird nur um dem Kirchenrecht zu genügen. Nähe entsteht nur dort, wo die nötigen Kontakte möglich sind. Nur aus diesen Kontakten entstehen Beziehungen. Beziehungen, die notwendig sind um eine Entfremdung von hauptamtlichen und ehrenamtlichen Mitarbeitern hintanzuhalten. Das ist mir aus vielen Gründen besonders wichtig. Einer davon ist, dass diese Beziehungen strukturell gesehen ein wichtiges Regulativ sind - sie schützen einerseits vor einer Verselbstständigung der einzelnen Gemeinden (wie man es zum Beispiel mitunter von freikirchlichen Gemeinschaften kennt), sie hemmen jedoch andererseits auch klerikale bzw. hauptamtliche Autokratie und verhindern somit das Diktat einer kleinen Gruppe nach dem Motto: „Ich sage was zu tun ist und du machst es“. Ein Motto nämlich, das mit Sicherheit in unserer pluralistischen und liberalen Gesellschaft zum Scheitern verurteilt wäre.

In diesem Spannungsfeld hören wir an diesem Sonntag einen wunderschönen Text aus dem Evangelium (Joh 10, 11–18), in dem sich Jesus mit einem Hirten vergleicht. Der Hirte als Sinnbild von Fürsorge und Hingabe. Ein guter Lösungsansatz für die kirchlichen Probleme unserer Zeit - wieder mehr Hirte und weniger Herrscher zu sein. Das gilt für uns alle.

Heinz Kratochwill