Das Wort zum Sonntag – Ostersonntag

Liebe Pfarrgemeinde!

„Warum feiern wir eigentlich Ostern?“, fragte der Reporter einer Zeitung die Passanten im Zentrum einer Kleinstadt in Süddeutschland. Es wurde ein lustiger Artikel, aus dem ich ein wenig zitiere. Ob es wirklich lustig ist, was da kommt, ist eine andere Frage.

„Da fragen sie mich aber was“, reagierte ein Mann Mitte 40 und kramte dabei in seinen Hosentaschen. „Das hat irgendwas mit bunten Eiern zu tun“, mischt sich eine ältere Dame ein. Eine 19-jährige meint es zu wissen: „Ja, die Wiedergeburt von Jesus feiern wir.“ Ein junger Mann, der mit seiner Freundin unterwegs ist, meint prompt: „Ostern kommt – ich glaube aus Holland. Wurde nicht da Ostern erfunden von irgendjemand?“ Ein Pensionist steht fest zu seiner Meinung: „Ostersonntag ist Jesus gestorben und dann am Rosenmontag auferstanden.“ Der Begriff „Wiedergeburt Jesu“ wurde von 59 befragten Personen genannt. Helene, 32 Jahre: „Ich glaube, dass das von der Religion herkommt wegen Jesus Christus und so.“ Christa: „Das Christentum ist ein Wiedergeburtsglaube.“ Da muss sie nun wirklich etwas verwechselt haben. Sie äußert übrigens, dass sie Lehrerin sei. So weiß sie auch, wie der schwankende Ostertermin zustande kommt: „Das Unterrichtsministerium legt fest, wann Ostern gefeiert wird.“

Na also, jetzt wissen wir es!

Ja, mit der religiösen Bildung mancher Zeitgenossen scheint es nicht recht weit her zu sein. Und das nicht nur in Süddeutschland. Auch in Österreich. Das zeigen neben meiner persönlichen Erfahrung auch Umfrageergebnisse. Trotzdem bleibt die Frage: gehören solche grundlegenden Kenntnisse nicht mindestens zum Allgemeingut der Bildung eines Menschen?

Grundsätzlich dürfte man wohl schon davon ausgehen. Außerdem gehören die befragten Menschen gewiss zu einem hohen Prozentsatz einer christlichen Kirche an. Aber jammern und lamentieren nützt da jetzt wenig. Vielleicht sollten wir Christinnen und Christen einfach öfter davon erzählen, was an Ostern wirklich gefeiert wird.

Jesus starb am Karfreitag am Kreuz. Er wurde vom Kreuz genommen und in ein Gartengrab jener Zeit gelegt. Ein reicher Mann schenkte Jesus sein eigenes Grab. Von gläubigen Frauen gesalbt und in Leinentücher gehüllt, wurde er ins Grab gelegt. Am dritten Tag nach seinem Tod geschah das Wunder aller Wunder, unbegreiflich und doch wahr. Christus ist von den Toten auferstanden. Nur langsam wurden sich die Jünger dessen gewiss. Doch sie begegneten ihm nun an verschiedenen Orten. Er war plötzlich mitten unter ihnen und dann wieder fort. Einmal kam er durch eine verschlossene Tür zu seinen traurigen Jüngern, tröstete sie und sandte sie aus zur Mission.

Die Auferstehung Christi ist ein mit nichts zu vergleichendes Geschehen. Es ist in jeder Hinsicht einzigartig. Wer hier die Physik und Biologie zu Rate zieht oder gar wissen möchte, ob man den Lebendigen hätte fotografieren können, hat die Tragweite des Geschehens nicht erfasst. Ich empfehle dagegen die Lektüre der Osterberichte in den vier Evangelien. Der Leser wird informiert, der Sucher kann erstaunt zum Glauben finden.

Die Ostergeschichte geht weiter bis heute. Immer weiter, von Jahr zu Jahr, von Generation zu Generation, über die ganze Erde. Jeder Sonntag ist ein Auferstehungsfest. Sehr früh hat die Christenheit den Sabbat durch den Sonntag ersetzt. Wo sich Menschen im Namen Jesu versammeln und auf das Evangelium hören, können sie hineingezogen werden in diesen Prozess der Erneuerung des Lebens aus dem Glauben an Christus. Wer sich hier nicht versperrt wird wahre Wunder erleben. Und er wird weitersagen, was er erfahren hat und lebt aus der Hoffnung mitten im Alltag. Dann wird auch der Glaube aktiv in der Liebe. Und die Ängste vor der Vergänglichkeit und dem Sterben werden weichen. Schon hier beginnt das ewige Leben, von dem das Evangelium des Johannes berichtet.

Auch der Zweifel wird sich melden, klar. Der ist aber nichts Neues. Keinesfalls eine neuzeitliche Erscheinung. Vom Osterzweifel wird schon in den Ostergeschichten berichtet. „Einige aber zweifelten.“ (Mt 28, 17)

Das ist übrigens ein Gütesiegel für die Zuverlässigkeit der Osterbotschaft. Wäre sie eine Art Aufzeichnung in der Art eines Sitzungsprotokolls, wir könnten kritisch reagieren. Doch ganz unbekümmert hat die frühe Christenheit in vier Evangelien die eine und alles entscheidende Botschaft von der Auferstehung Jesu Christi von den Toten präsentiert. Da wurde nichts glatt gebügelt, was unterschiedlich überliefert war. Ein Leichtes wäre es gewesen, die Evangelien in einer Art antiker, frühkirchlicher Redaktionskonferenz identisch zu machen. Doch das wäre ein großer Verlust an Wahrhaftigkeit gewesen. Die frühe christliche Gemeinde vertraute dem Heiligen Geist, dass er es schon richten würde. Und er hat es getan, er hat die Ostergeschichte bis in unser Leben getragen. Der Heilige Geist ist der Atem und Hauch des Lebens. Christus selbst ist in ihm unter uns präsent.

Lassen wir uns ganz von diesem Geist erfüllen, der unsere Herzen für das Geheimnis der Osternacht öffnen will:

„Der Stein ist weg, das Grab ist leer. Halleluja!“

Ihr Pfarrer