Das Wort zum Sonntag – Palmsonntag

Liebe Pfarrgemeinde!

Es war eine bunte Menge, die Jesus bei seinem Einzug in Jerusalem erwartete. Einige hatten ihre kleinen Handelswaren ausgebreitet, kauften und verkauften. Andere waren auf dem Weg zum Tempel. Eine große Schar von Bettlern wartete hier immer auf die Pilger, die nun, kurz vor dem Passahfest, nach Jerusalem zogen, um im Tempel zu beten. Und schließlich war noch eine große Gruppe unter ihnen, die mit Jesus gekommen war und die Nachricht seiner Ankunft verbreitete.

Menschen legen ihre Kleider oder abgeschnittene Palmzweige in den Staub der Straße, sie jubeln und rufen: „Hosianna - Gottes Heil kommt!“. Der verheißene König ist da.

Diese Menge von enthusiastischen Menschen erscheint uns aus heutiger Sicht vielleicht etwas unheimlich. Umso mehr, wenn es um einen König gehen soll. Um den König eines Volkes, das unter der Gewaltherrschaft seiner Besatzer leidet. Das konnte gefährlich werden.

Aber wer kommt da? Wer ist das? Die Menschenmenge teilt sich nicht für einen Streitwagen oder eine prachtvolle Kutsche. Da kommt auch niemand auf einem prächtigen Pferd. Da reitet einer auf einem geliehenen Esel. Seine Kleidung ist eher ärmlich. Einige kennen ihn als den Wanderprediger aus Galiläa, der seit einiger Zeit Aufsehen im Lande erregt hatte und in einflussreichen Kreisen nicht besonders beliebt war. Für die Armen und Benachteiligten war er da und die waren es auch, die ihn in Jerusalem begrüßten und ihm ihr Hosianna zuriefen.

An dem Tag, als Jesus in Jerusalem einzog, richteten sich große Hoffnungen der Menge auf ihn. Die Armen hofften auf eine Linderung ihrer Not. Die Unterdrückten hofften auf ein Ende der römischen Zwangsherrschaft und auf Rache für den Mord an Johannes, dem Täufer. Andere sahen das verheißene Reich des Messias kommen und Israel zum einstigen Glanz des Königreichs Davids zurückkehren. Jesus hat damals sehr bald die Erwartungen der Menschen enttäuscht. Sein erster Gang galt dem Tempel, wo er die Händler und Geldwechsler aus dem Heiligtum vertrieb. Hier predigte er täglich und erzählte den Menschen von Gott. Aber es geschah nichts Spektakuläres. Es geschah nichts von dem, was man doch schon mit Sicherheit und Jubel erwartet hatte.

Begeistert von ihm waren jetzt nur noch wenige. Meist die, die mit ihm aus Galiläa nach Jerusalem gekommen waren, die Jünger.

Was wollte dieser Mann, der die Schwächen und Fehler der Mächtigen und Einflussreichen aufdeckte, der sich den Armen und Verzweifelnden zuwandte und doch in diesen Tagen nicht eine einzige Tat vollbrachte, um den ungerechten Zuständen ein Ende zu bereiten? Fragen und Zweifel an diesem Jesus brachen auf. Die Enttäuschung wurde bald größer als die Begeisterung des Empfangs. Waren es nicht die gleichen Stimmen, die das „Hosianna!“ riefen und schon wenige Tage später in das „Kreuzige ihn!“ einstimmten?

Jesus brachte nicht schnelle Erfüllungen für die Erwartungen der Menschen. Jesus brachte nur sich selbst. Beim Evangelisten Johannes lesen wir, wie Jesus immer wieder nur auf sich selbst verwies: „Ich bin das Licht der Welt - Ich bin das Brot des Lebens - Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben.“ Jesus spricht zu den Menschen von Gottes Liebe. Was diese Liebe Gottes bedeutet, zeigt er ihnen an seiner eigenen Person. Er ruft die Menschen zu sich und trägt ihnen auf, diese Liebe zu Gott, die sich im Umgang miteinander unter Beweis stellen muss, zum Erkennungszeichen all jener Menschen werden zu lassen, die ihm nachfolgen wollen. Jesus Christus bringt uns die Liebe Gottes. Unermüdlich – immer wieder. Auch hier und heute! Wie müssen wir diesen Besuch erwarten? Da ist nichts, was wir nur mit einem Hosianna nach außen rufen könnten, wenn es im Inneren nicht stimmt. Kann denn der Mund etwas rufen, was das Herz nicht sagt?

Wenn wir einen besonderen Besuch erwarten, dann werden wir selbstverständlich vorher unsere Wohnung aufräumen. Wer auf das Kommen von Jesus wartet, räumt sein Herz auf. Da wird nichts weggeschafft und verborgen, weil es vielleicht vor Menschen nicht gut und anständig erscheint. Wer sein Herz für den kommenden Christus aufräumt, zeigt sich ihm so, wie er ist, so, wie Jesus uns schon kennt. Ein ganzes Leben soll sich für den Herrn öffnen, der sein Leben für uns gab.

Und heute – am Palmsonntag 2017?

Sind wir heute bereit, ihn zu empfangen?

Mohamad Franz Charfan wird getauft

Nach einjähriger Vorbereitungszeit wird Herr Mohamad Franz Charfan in unserer Kirche in der Feier der Osternacht das Sakrament der Taufe empfangen.

Wir freuen uns mit ihm und erbitten ihm im Gebet Gottes Segen.

Mohamad Franz spart auf einen Laptop, den er für sein Deutschstudium benötigt.

Falls Sie ihm anlässlich seiner Taufe dabei helfen wollen, steht dafür während der Osterfeierlichkeiten eine Spendenbox in der Kirche.

Nach der Osternacht haben wir alle die Möglichkeit, Mohamad Franz im Pfarrsaal persönlich zu gratulieren und mit ihm zu feiern.

Ihr Pfarrer