Das Wort zum Sonntag – 4. Fastensonntag

Liebe Pfarrgemeinde!

„Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab“, so hören wir heute im Evangelium. Für Gott ist jeder einzelne Mensch also von unermesslichem Wert.

Und wie sieht der Wert eines Menschen in unseren Augen aus? Lässt sich der Wert eines Menschen eigentlich messen?

Zahlreiche Zeitgenossen beantworten diese Frage mit einem klaren Ja.

Es beginnt ja schon im Schulalter. Wer nicht die richtigen Klamotten trägt, ist in der Klasse bald unten durch. Der Stellenwert steigt erst mit dem richtigen Markenlogo an den Sportschuhen, den Jeans oder dem T-Shirt. Je höher der Wert der Marke desto höher der Wert des Menschen. Hast du was, dann bist du was! So einfach ist das. Wer sich's nicht leisten kann, hat Pech gehabt.

Der Konsum wird schon im Kindesalter zum Gott erhoben.

Aber dann geht’s ja munter weiter. Die Werbung zeigt dem Erwachsenen ganz deutlich, wo's lang geht. Das Auto ist vom Fortbewegungsmittel längst zum Statussymbol verkommen. Reich und Schön heißt die Devise. Eine TV-Serie, deren Ende lange Zeit nicht absehbar schien, trug sogar ganz unverblümt diesen Titel. Und Schönheit lässt man sich schon was kosten. Und das betrifft im Erwachsenenalter dann längst nicht mehr nur die Kleidung. Die ewige Jugend – das ist Thema. Botox und Facelifting machen heutzutage so manches möglich.

Körperkult und Jugendwahn heißen die neuen Götter. Ihnen gilt es, jedes Opfer zu bringen.

Wer da nicht mit kann, hat Pech gehabt.

Manche haben aber schon von vornherein keine Chance. Sie entsprechen schlichtweg nicht dem Ideal. Es ist eine grausame Tatsache, dass es in Österreich gesetzlich erlaubt ist, behinderte Kinder bis einen Tag vor der Geburt (!) abzutreiben. Lebensunwertes Leben?

Aber auch mit dem Alter hat man so seine Probleme. Wer nichts mehr leisten kann, rangiert ganz unten in der Rangliste. Die Diskussion um das Thema Euthanasie wird zunehmend salonfähiger...

Unerbittlich und letztlich todbringend sind sie, die neuen Götter. Der Mensch bleibt auf der Strecke.

Im Gotteslob-Lied Nr. 140 heißt es:

Wir sind taub, wir sind stumm, wollen eigne Wege gehen. Wir erfinden neue Götter und vertrauen ihnen blind.
Dieser Weg führt ins Nichts und wir finden nicht das Glück, graben unsre eignen Gräber, geben selber uns den Tod.

Wie kommen wir raus aus diesem Teufelskreis des Egoismus, aus dieser „Kultur des Todes“, wie Papst Johannes Paul II. dieses Phänomen einmal bezeichnet hat? Wie werden wir die neuen Götter wieder los und können zu unserem Gott der Liebe zurückfinden?

Jesus hat die Antwort auf diese Frage so knapp zusammengefasst, dass wirklich jede und jeder es begreifen kann: „Liebt einander!“ So einfach wär's…

Ihr Pfarrer