Das Wort zum Sonntag – 31. Sonntag im Jahreskreis

Liebe Pfarrgemeinde!

Die Worte des jungen Vaters sind mir noch im Ohr. Sie klangen sehr nachdenklich und doch nicht verzweifelt. Es waren schon einige Wochen vergangen, seitdem der kleine Bub verstorben war. Die Eltern waren Tag und Nacht um ihn gewesen und hatten seine Atemnot und den häufigen Zusammenbruch seines Kreislaufes mit erlitten. Sie mussten mit der Zeit erleben, wie alle Hoffnungen auf eine medizinische Rettung und zuletzt insgeheim auf ein Wunder zunichte wurden. Dann kam der Abschied von ihrem Sohn, den sie sich so gewünscht hatten. Es war ein schwerer Gang und doch nicht ohne Trost. Vielleicht meinte der Vater das, als er mir sagte: Im Angesicht des Todes unseres Sohnes habe ich die Angst vor dem eigenen Tod verloren.

Der Tod hat sein eigenes Aussehen, seinen eigenen Geruch, seine erschreckende Lautlosigkeit. Vielleicht erschrecken wir deshalb so sehr vor ihm. Der Tod gehört unseres Gefühls nach in die dunkle Jahreszeit, in den November.

Der Gang zum Friedhof zu Allerheiligen und Allerseelen konfrontiert uns immer auch mit der Vergänglichkeit unseres eigenen Lebens. So, wie mancher sich schwer tut, die Schwelle eines Krankenhauses zu übertreten, weil das dort Sichtbare immer auch auf eine Seite des Lebens verweist, vor der wir uns fürchten, befällt uns im Angesicht des Todes das Erschrecken vor der Endlichkeit unseres Lebens.

Allerseelen ruft uns den Tod – äußerlich betrachtet – eher von seiner dunklen Seite in Erinnerung. Die nasskalte Jahreszeit mit ihrer früh einsetzenden Abenddämmerung lässt in einer ‚Highlight-Gesellschaft‘ die vielen kleinen Lichter auf den Gräbern aber auch als friedliche Zeichen einer entflammten Sehnsucht nach ewigem Leben wahrnehmen. Die flackernden Kerzen sind Ausdruck von Verbundenheit mit den Verstorbenen. Sie sind zugleich ein Bekenntnis, dass der Glaube jenes Licht trägt, das den Weg durch allen Tod ausleuchtet. Wo die kleinen Lichter unseres Gedenkens und Gebetes für die Verstorbenen den Weg in die Richtung ausleuchten, aus der uns das Licht der Auferstehung entgegenkommt, verliert der Tunnel eines Grabes sein erschreckendes Dunkel.

Am Grab eines lieben Verstorbenen zu stehen, wird im Blick auf Jesus Christus zur Einladung und Ermutigung, tiefer zu schauen. Ihn vor Augen zu haben, lässt ein Grab mit der Zeit als einen Ort keimender Hoffnung betrachten.

Ihr Pfarrer