Das Wort zum Sonntag – 29. Sonntag im Jahreskreis

Liebe Pfarrgemeinde!

Ich überbringe Ihnen Grüße aus meinem Heimatland Uganda, wo ich meinen Urlaub verbracht habe.

Im Evangelium vom 29. Sonntag im Jahreskreis wird Jesus von zwei Aposteln, von Jakobus und Johannes, den Söhnen des Zebedäus, angesprochen. Sie bitten Jesus mutig um einen Gefallen: Jesus solle es ermöglichen, dass sie einen Ehrenplatz einnehmen, wenn sie in das Reich Gottes kommen.

Wie reagiert nun Jesus auf diese Frage und Bitte: er verwendet nicht Zeit und Energie für die Beantwortung dieser Frage, er reagiert auch nicht empört und tadelt die beiden Jünger auch nicht wegen ihres fehlgeleiteten Ehrgeizes; Jesus ergreift die Gelegenheit, den Jüngern eine Lektion über das rechte Verständnis von Autorität und Dienen zu erteilen.

Die Herrscher und Großen dieser Welt erheben sich über ihre Untertanen. Für Jesus bedeutet Dienen nicht, sich über die Untertanen zu erheben. Es bedeutet, ein Vorbild im Dienen zu sein und dieses Dienen durch eine gelebte Haltung zu bezeugen. Nach diesem Verständnis setzt der Vorgesetzte alles ein, was er hat, um das Wohl der ihm Anvertrauten zu sichern und zu fördern. Dafür hat Jesus selbst uns ein Beispiel gegeben: Beginnend mit seiner Menschwerdung, über das Heranwachsen und das Leben mit seinen Eltern Maria und Josef in einfachen Verhältnissen, bis hin zum qualvollen und erniedrigenden Tod. Jesus war ganz anders als die Herrscher und Führer seiner Zeit, herauf bis in unsere Zeit. Viele dieser Führer nennen sich auch Christen, die angeblich Jesus nachfolgen.

Sind heute alle unsere Leiter, Vorgesetzten und Herrscher wirklich selbstlose Diener ihres Volkes und der ihnen anvertrauten Menschen? Jesus ging es um einen Dienst an den Mitmenschen, der geistliches Wachstum und Gnade ermöglicht. Und dies ist nicht auf Priester, Ordensleute und KirchenmitarbeiterInnen beschränkt. Für eine Leben im Dienst für die anderen sind alle Getauften aufgerufen und verantwortlich.

Der christliche Dienst ist eine Lebensweise, die kein großes Aufsehen macht. Es geht nicht in erster Linie um Lob, Beifall und Anerkennung. Jesus hat uns mit seinem Leben, seiner Botschaft und seiner Lebenshingabe für uns ein bleibendes Beispiel gegeben. Es gibt keine größere Liebe als diese!

Liebe Schwestern und Brüder! Lasst uns in unseren Familien, in den Gemeinschaften, in den Pfarrgemeinden, am Arbeitsplatz, in der Schule jede Gelegenheit wahrnehmen, diese Haltung des Dienens, des selbstlosen Daseins für unsere Mitmenschen anstreben und leben. Tun wir das in Demut und sind wir auch bereit, bei Widerständen und Schwierigkeiten nicht aufzugeben.

Denn wir tun dies in dem Bewusstsein, dass wir in jedem Menschen dem Herrn dienen. Der Herr ist es auch, der unsere ehrlichen Absichten und unser Bemühen sieht und kennt.

Liebe Schwestern und Brüder! Der Herr, der alle unsere kleinen und großen Dienste sieht und unsere Absichten kennt, er wird uns ewig ehren und uns „einen Platz links oder rechts von ihm zuweisen.“

Michael Lubega