Das Wort zum Sonntag – 28. Sonntag im Jahreskreis

Liebe Pfarrgemeinde!

Die Evangelienstelle dieses Sonntags bringt deutlich zum Ausdruck, dass es Jesus um eine grundsätzliche Entscheidung geht: Was ist das Wichtigste in meinem Leben? Dem Reichen wird unterstellt, dass er so viel damit zu tun hat, sich um den Erhalt seines Reichtums zu kümmern, dass da für Gott und den Nächsten nicht mehr viel Platz bleibt. Geld und Reichtum sind das Wichtigste.

Viele Eltern sind ein Leben lang damit beschäftigt, reich genug zu sein. Sie wollen nicht arm sein. Und dennoch tun sie genau das, was Jesus im heutigen Evangelium von dem reichen Jüngling verlangt. Sie geben alles, was sie haben denen, die darauf angewiesen sind: ihren Kindern. Sie geben oft wirklich alles. All ihre Kraft, all ihre Liebe, all ihre Zeit.

Es geht bei der Frage nach dem Himmelreich nicht um Kontostände. Es geht nicht um die Frage, wie viel Geld jemand hat, wie viel Geld jemand will, wie viel Geld jemand gibt.

Es geht Jesus tatsächlich um eine grundsätzliche Entscheidung: Bin ich im Zweifel dazu bereit, alles zu geben, damit es anderen besser geht? Oder frage ich mich zuerst, ob mir selbst auch noch genug bleibt? Halte ich ängstlich an dem fest, was ich habe, oder gebe ich mit offenen Händen, weil ich weiß, dass darin wahrer Reichtum besteht?

Wahrer Reichtum besteht somit darin, reicher zu werden für die, die uns anvertraut und für die wir auch verantwortlich sind. Und da denke ich selbstverständlich zuerst an meine Kinder und alle meine Angehörigen, an meine nächsten Mitmenschen, die der Hilfe bedürfen.

Ich denke dabei aber auch an meine Verantwortung für die mir von Gott geschenkte Tier- und Pflanzenwelt. Ein leuchtendes Vorbild für diese Verantwortung für und die Wertschätzung der Fauna und Flora ist für mich Franz von Assisi.

Franziskus nimmt die Tiere als eigenständige Wesen wahr. Wie alles Geschaffene verweisen sie auf Gott als Schöpfer. Als „Schwestern“ und „Brüder“ sind sie Teil der „göttlichen Familie“. Seine Haltung zu Tieren war klar religiös motiviert. Für Franziskus ist alles um seiner selbst willen da, gerade auch die Tiere, und nicht dafür, dass wir Menschen sie ausbeuten und als Massenware „verbraten“. Dieses geschwisterliche Verständnis kann auch heute Vorbild sein.

Alle, die in der von Gott uns zur Freude geschenkten Natur den wahren Reichtum erkennen, sind eingeladen, am kommenden Sonntag in die Pfarre Linz – St. Peter zu kommen, um sich gemeinsam mit ihren Tieren unter den Segen Gottes zu stellen.

Sepp Krasser