Das Wort zum Sonntag – 25. Sonntag im Jahreskreis

Liebe Pfarrgemeinde!

Im Evangelium dieses Sonntags begegnen uns gleich mehrere Herausforderungen. Jesus wollte seine Jünger auf seinen Weg – seinen Leidensweg – vorbereiten, damit sie die folgende Geschichte recht verstehen. Er, der Messias, der Erlöser, wird von den Menschen getötet werden, doch nach drei Tagen auferstehen. Das konnten seine Freunde nicht fassen. Sie verstanden Jesus nicht, fürchteten sich aber, ihn zu fragen. Sie gehen innerlich nicht mit, verstehen ihn nicht einmal ansatzweise.

Diesen Männern ist etwas anderes viel wichtiger: sie ringen um die Reihenfolge ihrer Wichtigkeit innerhalb ihrer Gruppe. Das passiert früher oder später in jeder Gruppe, sagen die Soziologen. Wir Menschen sind so, wir wollen gesehen und geachtet werden und unseren Platz kennen in der Gruppe – es soll ein guter Platz sein.

Aber – im Reich Gottes ist es nicht so. Da wirken die soziologischen Gesetzmäßigkeiten nicht mehr.

Wir alle wissen, dass keine Gemeinschaft ohne Ordnung auskommt. Das Grundgesetz allen menschlichen Zusammenlebens wird von Jesus auch nicht bestritten. Es wird von ihm nur neu ausgelegt: „Da setzte er sich, rief die Zwölf und sagte zu ihnen: Wer der Erste sein will, soll der Letzte von allen und der Diener aller sein“ (Mk 9,35). Und das ist genauso schwer zu verstehen wie die Leidensankündigung Jesu zuvor.

Was tut nun Jesus, um seinen Jüngern auf die Sprünge zu helfen? Er stellt ein Kind in ihre Mitte: Solche Menschen sollen sie aufnehmen, solchen ihre Kraft, Zeit und Freundschaft schenken. Jesus stellt das Kind nicht vor sich hin und „führt es vor“, sondern stellt es in die Mitte und nimmt es in seine Arme. Und er zeigt seinen Jüngern damit auch gleich, wie die Barmherzigkeit Gottes aussieht. Sie ist liebende Fürsorge, die spürt, was der andere braucht – und was ich gerade brauche. Jesus liebt nicht um seinetwillen. Und das sollen auch die Jünger begreifen. Seine Botschaft beinhaltet keine Aufforderung zum Wettstreit, wer sich im „Besserer-Mensch-Sein“ den ersten Platz ergattert.

In Jesu Gemeinschaft wird die Grundregel für die rechte Ordnung nur verständlich, wenn sich die Zwölf vor Augen halten, dass sich Jesus mit den Kindern gleichsetzt – also mit Menschen, die auf Hilfe angewiesen sind, die keine Macht haben, deren Existenz für die Gestaltung des gesellschaftlichen Lebens keine Bedeutung hat. Er verbindet die Aufnahme eines Kindes mit der Annahme Gottes – und stellt damit eine ganz neue Ordnung auf.

Gerade die Jünger, die im Dienst Jesu die ersten sein möchten, erhalten also von Jesus eine eigene Lektion: Sie werden ihrem Herrn und Meister nur dann nahe sein, wenn sie sich - nicht von oben herab, sondern in persönlichem Kontakt um die kümmern, denen man normalerweise weder Aufmerksamkeit noch Zeit schenkt.

  • Was ist meiner Meinung nach der Grund, warum Jesus gerade ein Kind in die Mitte stellt?
  • „Wer der Erste sein will, soll der Letzte von allen sein.“ Das sagt sich leicht. Fallen mir Situationen ein, die mich an diesen Satz erinnern? Welche Gefühle steigen in mir hoch, wenn ich an diesen Satz denke?
  • Was wäre konkret in meinem Leben / heute in unserer Kirche sofort zu ändern, wenn dieser Bibeltext ernst genommen wird?
Sepp Krasser