Das Wort zum Sonntag – 12. Sonntag im Jahreskreis

Liebe Pfarrgemeinde!

„Ihr aber, für wen haltet ihr mich?“

Im heutigen Evangelium sehen wir, wie Jesus sich mit der Frage "Wer bin ich?" auseinandersetzt. Es scheint eine selbstreflexive Frage zu sein, und gleichzeitig ist es eine Einladung an die Menschen um ihn herum, besser zu erkennen, wer er ist. Es ist eine Einladung an uns, uns zu fragen: Wer ist Jesus für mich?

Und was bedeutet das für uns heute?

Unsere eigene Erfahrung mit der Einzigartigkeit von Jesus spielt eine große Rolle.

Ich bin mehr als überzeugt, dass das Christentum nicht nur ein ethisches System ist, auch wenn die Moral ein wichtiger Bestandteil ist. Das Christentum ist nicht nur die Kirche - ob sie nun als Institution oder als Gemeinschaft von Gläubigen verstanden wird. So mag es scheinen. Ich glaube, dass es im Christentum um die Erfahrung Gottes in der Person Jesu geht. Diese Gotteserfahrung in Jesus ist nicht möglich, wenn wir nicht die Einzigartigkeit Jesu - des Gottmenschen - schätzen. Und das ist der Kern des heutigen Evangeliums.

Die Frage Jesu an die Apostel: „Ihr aber, für wen haltet ihr mich?" ist auch eine Einladung an Sie zu einer persönlichen Erfahrung seines wahren Wesens. Nachdem ich lange Zeit mit dieser Frage gerungen habe, und durch meine persönliche Meditation über diese Frage, kann ich bezeugen, dass diese Frage nicht durch Wiederholung der Fragen und Antworten im Katechismus beantwortet werden kann. Sie kann nicht beantwortet werden, indem wir theologische Argumente in unseren Köpfen austüfteln. Sie kann nicht beantwortet werden, nur weil ich getauft bin, die Sonntagsmesse besuche und eine Christin/Katholikin, ein Christ/Katholik bin! All dies kann als Vorbereitung dienen, aber der Katechismus, die Theologie, die Teilnahme an der Liturgie könnten uns auch ein falsches Gefühl der Selbstzufriedenheit vermitteln: Ja, ich bin ein Christ, also kenne ich Jesus. Jesus zu kennen, ist eine persönliche Erfahrung, auch im Kontext einer Gemeinschaft. Ohne diese Erfahrung läuft die Kirche Gefahr, zu einer bloßen politischen Struktur zu werden, und mein Glaube zu einer bloßen Formalität.

Natürlich ist das Privileg, Jesus zu kennen, eine Gnade Gottes. Und wir unsererseits öffnen uns für diese Gnade.

Liebe Freundin, lieber Freund, hast Du einen persönlichen Kontakt zu Jesus? Wer ist er dann für Dich?

Michael Lubega