Das Wort zum Sonntag – 12. Sonntag im Jahreskreis

Liebe Pfarrgemeinde!

Die heutigen Lesungen erinnern und ermutigen uns, dass Christus mit uns ist, sogar inmitten aller Stürme dieses Lebens.

Sowohl die erste Lesung aus Ijob und auch das Markusevangelium heute, erinnern uns daran, dass Gott der Schöpfer der Welt ist. Daher hat er die Macht, alle natürlichen, physischen und geistigen Kräfte oder Aktivitäten, die in dieser Welt vor sich gehen, zu kontrollieren und zu regulieren. Er hat die ganze Welt in seiner Hand und lenkt so den Verlauf unseres Lebens und der Geschichte dieser Welt. Er weiß, wann er am besten eingreift, sowohl in unser persönliches Leben als auch in die Geschichte der ganzen Welt. Das zeigt sich in seiner rechtzeitigen Antwort auf die Vorwürfe von Ijob und in seinem Eingreifen in die gefährliche Situation seiner Jünger beim Sturm auf dem See.

Das Leben ist voll von Stürmen. Manchmal können sie so stark und unbegreiflich werden, dass unsere menschlichen Kräfte diese Stürme nicht mehr beherrschen können. In solchen Momenten können Angst und Verzweiflung einen zentralen Platz in unserem Leben einnehmen. In manchen Fällen können wir sogar den Glauben an Gott verlieren und denken, dass er uns verlassen hat oder dass er nicht existiert. Diese Stürme kommen in verschiedenen Formen in unser Leben überraschen und überwältigen. Das können sein: Probleme in unserer Ehe, die Schwierigkeiten mit unseren Kindern, die nicht gut auf uns reagieren, das Fehlen eines guten Jobs, die besorgniserregende finanzielle Situation, die Hilflosigkeit in hereinbrechenden Unglücksfällen, Kinderlosigkeit, oder eine langwierige Krankheit/Pandemie, wo keine Behandlung zur Besserung oder Heilung führt. Es könnte auch die Unfähigkeit sein, eine gute und stabile Beziehung aufzubauen oder aufrechtzuerhalten, oder das ständige Streiten mit Menschen. Probleme und Sorgen können uns auch erschreckende Erkenntnisse in der Wissenschaft oder schlechte Prognosen für die wirtschaftliche und berufliche Zukunft bereiten. Die Liste ist endlos, aber dies sind die Realitäten, denen wir jeden Tag begegnen.

Liebe Schwestern und Brüder! Wir wissen alle, dass es keine Garantie dafür gibt, dass unser Leben völlig frei von Stürmen und Schicksalsschlägen sein wird. Die gute Nachricht ist jedoch, dass es die Gewissheit im Glauben gibt, dass Christus mit uns ist, um uns beizustehen und uns aus jeder Notlage helfend zu befreien.

Die Erfahrung der Jünger Jesu, dass sie ihrem Meister auch in Seenot vertrauen können, ist ein Muster für den Umgang mit lebensbedrohenden Erfahrungen in unserem Leben. Glauben bedeutet nicht, dass uns nichts passieren kann. Glauben ist das Vertrauen, dass Gott unser Leben auch noch im tiefsten Punkt wenden kann.

Christus selbst, die Jünger, und auch viele Heilige bestätigen, dass es in ihrem Leben stürmisch zuging. Denn ihr höchstes Ziel war nicht, dass alles in abgesicherten Bahnen und alles ruhig verläuft, oder dass man vor Veränderungen und neuen Herausforderungen verschont bleibt.

Mit den Fragen Jesu an seine verunsicherten Jünger: „Warum habt ihr solche Angst? Habt ihr noch keinen Glauben?“ (V. 40) sind auch wir heute angesprochen: Warum haben wir oder Teile der Kirche solche Angst? Haben wir keinen Glauben? Wie schaut es wirklich mit unserem Gottvertrauen aus?

Das sind Fragen, die auch schmerzen, denen wir uns aber stellen müssen. Amen.

Michael Lubega