Das Wort zum Sonntag – 11. Sonntag im Jahreskreis

Liebe Pfarrgemeinde!

Geduld ist eine Tugend, die selten geworden ist in unseren Tagen. Wir wollen alles - und das sofort. Und wenn uns das einmal nicht gelingt, sind wir todunglücklich.

Wer aber Geduld hat, ist auch bereit, mit unerfüllten Wünschen und Sehnsüchten zu leben oder diese zeitweise zurückzustellen. Diese Fähigkeit ist eng mit der Gabe der Hoffnung verbunden. Geduldig ist auch, wer Schwierigkeiten und Leiden mit Gelassenheit erträgt.

In schwierigen Zeiten, besonders jetzt in der Corona-Pandemie und immer wieder in Zeiten von Leid und Krankheit wird unsere Geduld auf eine besondere Probe gestellt.

In der Krankheit muss man einiges erdulden und aushalten. Das Wort „Patient“ kommt ja bekanntlich vom lateinischen Begriff „patientia“, was mit „Geduld“ übersetzt wird. Jeder, der mit Krankheit und mit kranken Menschen zu tun hat, weiß, wie wichtig dabei die Gabe der Geduld ist. Mit Ungeduld erreicht man gar nichts. Denn das Gras wächst bekanntlich nicht schneller, wenn man daran zieht.

Jesus von Nazareth ist für uns ein besonderes Vorbild in Bezug auf die Geduld. Auf seinem Leidensweg hat er uns gezeigt, welche geheimnisvolle, göttliche Kraft die Geduld in sich birgt. In seinen Reden und Gleichnissen hat Jesus den Jüngern immer wieder vom wertvollen Schatz der Geduld gepredigt, beispielsweise in dem Gleichnis vom Wachsen der Saat, das wir an diesem Sonntag im Evangelium hören:

„Mit dem Reich Gottes ist es so, wie wenn ein Mann Samenkörner auf seinen Acker sät; dann schläft er und steht wieder auf, es wird Nacht und wird Tag, der Samen keimt und wächst, und der Mann weiß nicht, wie. Die Erde bringt von selbst ihre Frucht, zuerst den Halm, dann die Ähre, dann das volle Korn in der Ähre. Sobald aber die Frucht reif ist, legt er die Sichel an; denn die Zeit der Ernte ist da.“ (Mk 4,26-29)

Geduld bringt die verborgenen Schätze unserer Seele zu Tage. Sie ist das Ausdauertraining für die Hoffnung. Schauen wir also auf Christus und lernen wir von ihm Geduld. Dann wird Gott das Seine tun und aus unserer Geduld tausendfach gute Früchte für uns wachsen lassen.

Ihr Pfarrer