Das Wort zum Sonntag – 2. Sonntag im Jahreskreis

Liebe Pfarrgemeinde!

Im Johannesevangelium wird die Mutter Jesu nur zweimal erwähnt: beim Hochzeitsmahl in Kana, dem Beginn des öffentlichen Wirkens Jesu, und bei der Kreuzigung, dem Ende desselben. Das könnte ein Hinweis darauf sein, dass die Rolle Marias nicht nur darin bestand, dass sie die Mutter Jesu war, sondern dass sie zusammen mit Jesus aktiv an unserem Erlösungswerk beteiligt war. Wir haben gelesen, dass Maria zum Hochzeitsmahl in Kana eingeladen war, ebenso wie Jesus selbst und seine Jünger. Als das Fest weiterging und der Wein zur Neige ging, ergriff Maria die Initiative und legte bei Jesus Fürsprache ein, woraufhin er sein erstes Wunder, das erste seiner Zeichen, tat.

Woher wusste Maria, was ihr Sohn tun konnte? Die Geschichte könnte noch weitere interessante Fragen aufwerfen. Wusste Maria in Nazareth nicht, dass sie mit einem Menschen zusammenlebte, der Wunder vollbringen konnte, und warum hatte sie ihn nicht einmal gebeten, ihr Brot zu vermehren oder ihr Geld zu verdoppeln, um über die Runden zu kommen? Schließlich, so könnte man meinen, beginnt die Nächstenliebe zu Hause. Aber für Maria und für Jesus stand der Wille Gottes an erster Stelle.

Was sagt uns das Kana-Wunder? Dass die besonderen Gaben Gottes nicht in erster Linie für unseren persönlichen Nutzen bestimmt sind, sondern für den Dienst an anderen? Das sagt der heilige Paulus, wenn er Beispiele für verschiedene Gaben des Heiligen Geistes aufzählt und hinzufügt, dass "jedem Menschen die Offenbarung des Geistes zum allgemeinen Wohl gegeben ist".

Welche Gaben hat Gott mir gegeben? Nutze ich diese Gaben für einen Dienst in der Gemeinschaft?" Heute wundern sich manche Menschen vielleicht, warum es kein Sichtbarwerden des Heiligen Geistes mehr gibt, wie wir sie in der Bibel lesen! Wenn wir die Gaben, die wir haben, für das Gemeinwohl einsetzen - wie die Gabe zu beten, zu singen, zu lehren, zu pflegen, zu teilen, zu ermutigen, zu unterstützen, zu motivieren, zu schreiben, usw. - dann könnten wir das Leben der Wunder wieder bestaunen. Die Sorge um andere ist das grundlegende Wunder. Wir könnten uns zum Beispiel das berühmte Gebet des Heiligen Franziskus zu Eigen machen:

Herr, mach mich zu einem Werkzeug deines Friedens.
Wo es Hass gibt, lass mich Liebe säen; wo es Verletzung gibt, Verzeihung;
wo Zweifel ist, Glaube; wo Verzweiflung ist, Hoffnung;
wo Dunkelheit ist, Licht; wo Traurigkeit ist, Freude.

O göttlicher Meister, gib, dass ich nicht so sehr suche
getröstet zu werden als zu trösten;
verstanden zu werden als zu verstehen; geliebt zu werden als zu lieben;
Denn im Geben liegt das Empfangen; im Verzeihen liegt das Verzeihen;
im Sterben werden wir zum ewigen Leben wiedergeboren.

Michael Lubega