Das Wort zum Sonntag – Fest der Taufe des Herrn

Liebe Pfarrgemeinde!

Mit dem Fest der Taufe des Herrn endet die Weihnachtszeit im liturgischen Kalender.

Im Schnelldurchlauf von drei Wochen ist damit der weniger aufsehenerregende Teil der Menschwerdung Christi abgeschlossen. Das entspricht auch der Verteilung in den Evangelien: Über die Kindheit, Jugend und das junge Erwachsenenalter Jesu erfahren wir so gut wie nichts – mit den wenigen Ausnahmen, derer wir vom Heiligen Abend bis heute gedacht haben: Wir haben von seiner Geburt erfahren, vom Besuch der drei Weisen, von der Flucht der Heiligen Familie nach Ägypten. Das ist die letzte Begebenheit aus der Kindheit Jesu; dann erzählt uns das Evangelium am Fest der Heiligen Familie von dem 12-jährigen Jesus, der im Jerusalemer Tempel mit seiner Klugheit und seinen Fragen auffällt. Das ist dann auch schon das Einzige, was wir über den jugendlichen Jesus hören. Wie er zum Mann wird, wie sein Leben als Heranwachsender aussieht – das alles bleibt im Verborgenen. Das ist wohl ein zuverlässiger Hinweis darauf, dass Jesus ein völlig unauffälliges und normales Menschenleben geführt hat.

Heute erfahren wir, wie Jesus selbst dieses unauffällige und ganz normale Menschsein beendet. Er ist nun erwachsen und reif genug für den Auftrag, den er wohl immer in sich gespürt hat. Heute wird aus dem freundlichen Jesus von nebenan ein Mann, der die ganze Welt verändern wird.

So gesehen müsste der heutige Feiertag eine ebenso große Bedeutung haben wie Weihnachten und Ostern. Er bezeichnet den Anfang des öffentlichen Wirkens Jesu und damit der entscheidenden inneren Wende des Menschen Jesus.

Versetzen wir uns in diesen Jesus, der dort als ein völlig Unbekannter, als einer von vielen, bei dem großen und berühmten Johannes am Jordan auftaucht. Stellen wir uns Jesus als einen Menschen vor, der den Pflichten des Alltags nachgeht, der einen Beruf erlernt hat, der sich mit seinen Geschwistern auseinandersetzt, der Freunde hat, feiern geht, in der Synagoge betet, seinen Glauben reifen lässt … Einer wie wir, weil auch wir glauben, dass Gott für jeden von uns Aufgaben bereithält, dass er uns den Weg zeigt, der für mich, für Sie, für jeden von uns vorgesehen ist.

In diesem jungen Mann Jesus wird der Glaube nach und nach gereift sein. Er wird als Jugendlicher sicher Kontakt zu verschiedenen religiösen Gruppierungen gehabt haben. Doch der junge Jesus hat sich offensichtlich keiner dieser Gruppen angeschlossen. Bis zum Auftreten seines Cousins Johannes. Die beiden sind nicht zusammen aufgewachsen. Ich denke, die Entscheidung des Johannes, in der Öffentlichkeit aufzutreten und allen seinen Glauben zu verkünden, wird für Jesu Entwicklung eine große Rolle gespielt haben. Ab diesem Zeitpunkt wird in Jesus etwas erwacht sein. Und eines Tages wusste er, dass er eine Entscheidung würde treffen müssen. Das ist dieser Tag, an dem das Herz voll ist. Der Tag, an dem wir ganz und gar spüren, dass kein Geringerer als Gott selbst uns zu einer Entscheidung ruft. Und wir spüren, dass diese Entscheidung unser Leben ändern wird. Das können tatsächlich große Änderungen sein, es können aber auch ganz kleine, kaum spürbare sein, von denen wir erst Jahre später erkennen, wo sie uns nach und nach hingebracht haben. An den Ort im Leben, den Gott für uns vorgesehen hat.

Jesus trifft an jenem Tag seine Entscheidung, den Weg Gottes zu gehen. Und was dann passiert, ist etwas, das für uns alle, wenn wir Lebensentscheidungen treffen, eine ganz wichtige Botschaft enthält: Im Augenblick seiner Taufe, in dem Augenblick, in dem Jesus vor den Augen aller “Ja“ sagt zu dem Weg, den Gott für ihn vorgesehen hat, - in diesem Augenblick öffnet sich der Himmel und der Heilige Geist kommt auf ihn herab. Es ist ein Zeichen, das uns allen gilt. Es ist die Zusage Gottes: Wenn du die Entscheidung deines Herzens triffst, dann wird diese Lebensentscheidung gesegnet sein.

Vielleicht kommt auch in Ihrem Leben dieser Tag, an dem Sie wissen: Jetzt bin ich gefragt. Jetzt will Gott auch von mir eine Entscheidung, eine Entscheidung, die mein Leben ändern wird. Dann haben Sie keine Angst! Denken Sie an diesen Moment der Taufe Jesu im Jordan. Und vertrauen Sie darauf: Auch auf Sie wird der Heilige Geist herabkommen und Ihre Entscheidung mit Leben füllen. Ihr neuer Weg wird gesegnet sein und Sie werden erfüllt mit der Kraft des Heiligen Geistes voranschreiten.

Sepp Krasser