Das Wort zum Sonntag – Weihnachtsfest

Liebe Pfarrgemeinde!

Es ist mittlerweile sieben Jahre her, dass ich ich meine Lehrtätigkeit an der Berufsschule Linz 5 beenden musste. Das wurde damals notwendig, weil ich ab diesem Zeitpunkt zusätzlich zu meiner Pfarre St. Peter auch die Pfarre St. Theresia mitzubetreuen hatte. Danach wurde mir die Pfarre Marcel Callo anvertraut und daraufhin folgte nahtlos die Verantwortung für St. Michael und Hlgst. Dreifaltigkeit. An eine Rückkehr in die Berufsschule war und ist also nicht mehr zu denken. 15 Jahre war ich dort Religionslehrer. Ich war unheimlich gern dort und bin schweren Herzens weggegangen. Ehrlich gesagt: Die Berufsschule fehlt mir auch heute noch sehr.

Aber zurück zu damals: Im Rahmen einer kleinen Feier wurde ich in der Schule verabschiedet. Wie es bei Abschiedsfeiern so üblich ist, wurden mir natürlich auch Geschenke überreicht. Ich habe mich sehr darüber gefreut. Etwas ganz Besonderes war eine mit Geschenkpapier überzogene Schachtel, die zuvor ein Monat lang in der Aula der Berufsschule gestanden hat, damit alle Schülerinnen und Schüler und alle Kolleginnen und Kollegen die Möglichkeit hatten, etwas ganz Persönliches für mich hinein zu legen. Viele liebevoll gestaltete kleine Geschenke, Fotos, Briefe und persönliche Erinnerungen fand ich dann schließlich in dieser Schachtel. Und ich fand darin auch eine Geschichte mit dem Titel „Ein unvergängliches Geschenk“. Diese Geschichte bedeutet mir seither sehr viel und darum möchte ich sie zum Weihnachtsfest mit Ihnen teilen:

Ein Mann hatte eine 5 Jahre alte Tochter. Zum Spielen hatte sich das Mädchen eine kostbare Rolle Goldpapier genommen. Das Geld war ohnehin knapp in der Familie so ärgerte sich der Vater sehr, als er sah, dass seine Tochter das Goldpapier benutzte, um eine Schachtel damit zu verzieren. Das Kind aber ließ sich nicht entmutigen. Am nächsten Tag brachte sie die Geschenkbox ihrem Vater und sagte: „Schau Papa, das ist für dich!“

Der Vater war beschämt. Aber er ärgerte sich erneut, als er entdeckte, dass die Schachtel leer war. Er fauchte sie an: „Weißt du nicht, meine Tochter, wenn du jemandem ein Geschenk überreichst, sollte auch etwas in dem Päckchen drin liegen! Also was soll der Quatsch?“

Das Mädchen schaute ihn mit großen Augen an. Langsam füllten sie sich mit Tränen. Sie antwortete: „Aber Papa, die Schachtel ist nicht leer. Ich habe so viele Küsse für dich hinein gedrückt, bis sie ganz voll war.“

Der Vater war zutiefst betroffen und schämte sich sehr. Er kniete sich hin, legte die Arme um sein kleines Mädchen und bat es aus ganzem Herzen, ihm zu verzeihen.

Kurze Zeit darauf starb das Mädchen bei einem tragischen Unfall. Noch heute erzählt man sich, dass der Vater die Schachtel sein ganzes Leben lang neben seinem Bett aufbewahrte. Und immer, wenn er entmutigt war oder von schwierigen Problemen fast erdrückt wurde, dann öffnete er die Schachtel und nahm sich einen Kuss heraus um sich an die Liebe seines Kindes zu erinnern.

Und ist es nicht in Wirklichkeit so: Wir alle brauchen eine Schachtel voll von dieser bedingungslosen Liebe, mit Küssen, Träumen und Wünschen - von unseren Kindern, der Familie, von Freunden, von Gott. Es gibt keinen wertvolleren Besitz, den wir je in den Händen halten können.

Im Sinne dieser Geschichte wünsche ich Ihnen und allen Ihren Angehörigen und Freunden von ganzem Herzen ein frohes und gesegnetes Weihnachtsfest voll Licht und Frieden -

Ihr Pfarrer