Das Wort zum Sonntag – 2. Adventsonntag

Liebe Pfarrgemeinde!

Was hat Johannes der Täufer eigentlich vor? Will er die Menschen zum Glauben zwingen? Das ist ja schon fast beleidigend: Schlangenbrut, Natterngezücht, Gericht und Feuer - ist das denn eine Art, die Menschen zur Gottesliebe zu bewegen?

Mit der Liebe zu Gott ist es gar nicht so einfach. „Wie kann ich Gott lieben? Den sehe ich nicht!“, meinen manche. „Ich kann seine Stimme nicht hören und ihm nicht in die Augen schauen. Wie kann ich jemanden lieben, der mir so fremd ist?“ Ein richtiges Gegenüber zu lieben fällt uns da schon leichter. Es gab und gibt aber Heilige, die waren fest davon überzeugt, Gott zu lieben. Sie waren schlicht und ergreifend in Gott verliebt. Manche ihrer Zeitgenossen hielten sie dafür allerdings für ziemlich verrückt.

Es gibt ja verschiedene Arten, „Ich liebe dich“ zu sagen. „Ich will immer bei dir bleiben. Ich werde dich auf Händen tragen. Ich lasse dich nie wieder allein.“ Sehr schön finde ich auch das: „Ich brauche dich. Ohne dich komme ich nicht zurecht in meiner Welt. Ich brauche dich mehr als alles und alle anderen."

Warum sollen wir Gott nicht die gleiche Liebeserklärung machen?

„Gott, ich brauche dich. Ohne dich komme ich nicht zurecht. Ich weiß, dass ich es nicht schaffe, ein glückliches Leben zu führen, wenn du nicht bei mir bist. Hilf mir, ich brauche dich.“ Das ist Liebe!

Und genau darum geht es dem Johannes, auch wenn er es anders ausdrückt. „Ihr glaubt, perfekt zu sein? Ihr meint, Gott nicht nötig zu haben und selbst zurechtzukommen? Seht doch, was aus Euch geworden ist! Eure Welt ist voll Unfrieden! Scheinheilige seid ihr. Erkennt doch endlich, dass ihr Gott braucht. Ihr sprecht von Gottesliebe und davon, dass ihr gute Christen seid. Aber keiner von Euch ist bereit sich einzugestehen, dass ihr ohne Gott aufgeschmissen seid. Kommt doch zu mir und lasst euch taufen, denn das ist das Zeichen dafür, dass ihr Dreck am Stecken habt. Wer sich taufen lässt, der sagt Gott, dass er ohne ihn nicht zurecht kommt!“

Das ist Liebe! Deswegen hat Gott diese ganze Geschichte angefangen, mit der Menschwerdung, mit Tod und Auferstehung, mit Kirche und Sakramenten: Um uns entgegen zu kommen. Das ist seine Liebeserklärung an uns: „Ich will immer bei euch bleiben, ich werde euch auf Händen tragen und euch niemals allein lassen.“

Was ist unsere Antwort darauf?

Ihr Pfarrer