Das Wort zum Sonntag – 33. Sonntag im Jahreskreis

Liebe Pfarrgemeinde!

Wir leben in Zeiten großen Umbruchs, wo Menschen um ihre Arbeitsplätze zittern und um ihr Erspartes bangen. Manche legen ihr Geld (ihre Talente) nicht mehr in der Bank an, sondern lassen es aufgrund der niedrigen Zinsen lieber daheim. Im Blick auf diese Realität scheint das heutige Evangelium unverständlich. Ein Mann, der auf Sicherheit baut, der nicht die Absicht hat, zu betrügen, der alles erhalten will, so wie es ist, wird bestraft. Er muss sich sagen lassen: "Du bist ein schlechter und fauler Diener!" (Mt.25,26) Das Evangelium lobt den Geschäftstüchtigen, den, der das erhaltene Geld (Talent) verdoppelt. Wie also umgehen mit so einer Stelle?

Dieses Gleichnis wird bei genauerem Hinsehen von Beziehung und Vertrauen getragen und nicht von Angst. "Er rief seine Diener und vertraute ihnen sein Vermögen an." (Mt. 25,14). Gott traut dem Menschen sehr viel zu. Der dritte Diener nimmt aber dieses Vertrauen nicht wahr. Er gibt zu: "Weil ich Angst hatte, habe ich dein Talent in der Erde versteckt." (Mt. 25,25). Angst ist wohl einerseits ein Schutzmechanismus für unser Leben, anderseits hemmt Angst den Fortschritt. Angst kann bis zur Lähmung, Faulheit und Apathie führen. In solch einem extremen seelischen Zustand lassen sich kaum Lebensperspektiven oder gar Zukunftshoffnungen entwickeln. Diesen Zustand prangert Jesus im Gleichnis an.

Wir erleben heute in der Gesellschaft viele Ängste, die man nicht kleinreden soll. Die jetzige Pandemie bringt viele Ängste hervor. Die einen lähmt sie, die anderen werden kreativ. Es gab noch nie so viele Erfindungen auf einmal wie in den letzten Monaten. Die heutige Evangelienstelle ermuntert uns, mit den Talenten - gemeint sind neben dem Geld auch unsere Begabungen - klug umzugehen.

Sie gibt uns Gelegenheit, nachzudenken, ob wir schon alle unsere Talente entdeckt, genützt und nicht das eine oder andere aus Angst vergraben haben. Versuchen wir aber auch neidlos in unsere Umgebung zu schauen, was es da an Talenten gibt: die Gabe des geduldigen Zuhörens, die Gabe des unerschütterlichen Glaubens und der Hoffnung trotz aller Missstände und Schicksalsschläge, die Gabe der zähen Ausdauer und viele mehr.

"Das Leben gelingt, wenn wir aus Vertrauen leben und nicht aus Angst, wenn wir unser Leben wagen und nicht vergraben, damit es ja keine Schramme davonträgt." (Ein Zitat des berühmten Schriftstellers, des Benediktinerpaters Anselm Grün.)

Die Schwester des Vertrauens ist die Hoffnung.

Die Hoffnung wachzuhalten - bei uns und auch bei anderen -, das ist eine immer wieder neue Aufgabe.

Ängstlich und ohne Hoffnung hat der eine Diener im heutigen Evangelium das ihm anvertraute Geld vergraben, statt mit ihm etwas zu gestalten und Gewinn zu erzielen. Die Hoffnung, die die anderen beiden erfüllte, hat er nicht für sich gelten lassen, er hatte sich nicht von der Zuversicht anstecken lassen.

Vielleicht können wir diese Haltung auch so deuten: Er war aus Angst nicht imstande, den unendlichen Reichtum der Liebe Gottes an die Menschen weiterzutragen und sichtbar werden zu lassen.

Beten wir, dass die Verheißung des Apostels Paulus in uns immer mehr Gestalt annehmen kann: „Die Hoffnung aber lässt nicht zugrunde gehen; denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ist“.

Michael Lubega