Das Wort zum Sonntag – 31. Sonntag im Jahreskreis

Liebe Pfarrgemeinde!

Auf die Liebe kommt es an. So lautet die Quintessenz dessen, was Jesus uns im Evangelium sagt. Er hat vor sich einen hilflosen Helfer. Der Schriftgelehrte soll anderen raten, ist aber selber ratlos. Nicht nur in Österreich und der EU heute, sondern auch im damaligen Israel wucherten die Gesetze und Vorschriften. Allein am Sabbat waren über 1.500 Bestimmungen zu beachten. Da konnte man auf Schritt und Tritt etwas verkehrt machen. Deshalb war Durchblick gefragt. In unübersichtlichen Zeiten Prioritäten richtig setzen, darauf kommt es an.

Dafür waren damals Schriftgelehrte die erste Adresse. Sie hatten Jura studiert. Ge- und Verbote waren ihr Lebenselement. Aber unser Mann blickt nicht mehr voll durch. Ernsthaft ist er an einer Antwort interessiert: „Jesus, welches ist das höchste Gebot von allen? Was muss um jeden Preis beachtet werden?“ So ähnlich fragen heute Eltern, die ihre Sprösslinge kindgerecht und zeitgemäß erziehen wollen. Aber viele haben sich im Labyrinth pädagogischer Konzepte verlaufen. Sie pendeln zwischen bloßem Gewährenlassen und Ohrfeigen hin und her. Wie macht man’s richtig? Was tut wirklich gut? So ähnlich fragen auch unsere Politiker. Sie finden sich vor im Geflecht von Interessengruppen und Besitzständen. Dazu sind sie bedrängt von Ansprüchen aller Art. Obendrein haben sie den nächsten Wahltag vor Augen. Was ist heute maßgebend, wo doch die Weichen für morgen gestellt werden müssen??

Je komplizierter die Zeiten, desto größer die Sehnsucht nach klaren Antworten, nach Orientierung und Konzentration auf das Wesentliche - und das nicht nur bei schlichten Laien, sondern auch bei Fachleuten. Kein Wunder, dass man damals Jesus ins Gespräch zieht. In seiner Antwort greift Jesus auf das Alte Testament zurück. Er holt hervor, was Gott vor Urzeiten seinem Volk ins Stammbuch geschrieben hat: das Doppelgebot der Liebe. Damit zieht er eine deutliche Leitlinie: Da geht’s lang. So stellt sich Gott unser Leben und unser Zusammenleben vor. Das ist in allen Fällen dringlich: Gott und den Nächsten lieben – wie sich selbst!

Wo wir Einfluss haben, lasst uns den im Sinn dieser Liebe nutzen. Wer hindert uns, dort, wo Gott uns hingestellt hat, verträglich und freundlich mit anderen umzugehen? So werden wir als Christen zu einer Wohltat für die Menschen um uns herum. Als Kirche, als Pfarre haben wir die ebenso große wie schöne Aufgabe, die Menschen nicht nur das Glauben, sondern auch das Lieben zu lehren. In alle Diskussionen, die heute breit und heftig geführt werden, bringen wir diesen unverwechselbaren Akzent ein. Hier sind wir selber Tag für Tag herausgefordert, als einzelner, aber auch als gesamte Kirche. Der Maßstab, den Jesus uns ans Herz legt, macht uns die Entscheidungen nicht unbedingt leichter, aber er dient uns als Kompass: In diese Richtung lasst uns gehen. Dieser Weg hat Zukunft.

Der heutige Sonntag, der heutige Tag, bietet eine Chance für neue Anfänge in der Liebe. Lasst uns in unübersichtlichen Zeiten, im Dickicht der Meinungen und Interessen, die Prioritäten so setzen, wie Gott das uns gegenüber tut: Auf die Liebe kommt es an.

Pfarrassistent Franz Pamminger