Das Wort zum Sonntag – 31. Sonntag im Jahreskreis

Liebe Pfarrgemeinde!

Zachäus, von dem wir heute im Evangelium hören, hat es eigentlich im Leben zu etwas gebracht. Mit Hilfe der römischen Besatzungsmacht ist er Zolleinnehmer in Jericho - ja sogar Pächter der Zollstation. Er verdient eine Menge Geld und kann sich leisten, wovon andere nicht einmal träumen. Nach menschlichem Ermessen hat er für die Zukunft ausgesorgt. Doch Wohlstand, Karriere und Erfolg haben einen Haken. Denn sie sind mit dem Verrat am eigenen Volk und mit Betrug erkauft. Zachäus ist ein Kollaborateur, der mit den verhassten Römern unter einer Decke steckt. Und er nimmt den Leuten unverschämt hohe Summen als Zoll ab, von denen er nur einen Bruchteil an die Römer abführen muss. Schließlich will er ja auch gut leben.

Wir wissen nicht, was Zachäus bewegt, sich eines Tages für Jesus zu interessieren. Er begehrte Jesus zu sehen, wer er wäre, so lesen wir ganz lapidar im Bibeltext und können nur rätseln: Ist es reine Neugier? Ist er trotz allen Wohlstands innerlich doch unglücklich? Oder plagt ihn das schlechte Gewissen? Wir wissen es nicht. Immerhin ist der Wunsch, Jesus einmal aus nächster Nähe zu sehen, so stark, dass Zachäus sogar auf einen Baum klettert. Denn wegen seiner geringen Körpergröße hätte er bei der Menge am Straßenrand sonst keine Chance auf einen einigermaßen freien Blick.

Doch dann ergreift Jesus die Initiative. Als wären ihm all die vielen Menschen am Straßenrand in diesem Moment gleichgültig, bleibt er plötzlich stehen, wendet sich dem kleinen Mann auf dem Maulbeerbaum zu und ruft: „Zachäus, steig rasch herunter, ich muss heute in deinem Haus einkehren!“ Verständlich, dass diese Worte bei den Umstehenden wenig Verständnis finden: "Unmöglich! Wie kann Jesus nur so einem stadtbekannten Gauner und Vaterlandsverräter die Ehre geben!" Was Jesus mit Zachäus in dessen Hause beredet hat, wird uns nicht überliefert. Wohl aber die Folgen dieser Begegnung. Jesus sagt es ganz schlicht so: Heute ist diesem Haus Heil widerfahren, und Zachäus bekennt, dass er durch diese Begegnung sein Leben grundlegend ändern will. Bis in die Fragen des Umgangs mit Geld und Besitz gehen die Konsequenzen dieser Begegnung. Mit einem Mal kann Zachäus großzügig geben und auch seine betrügerischen Geschäfte in Ordnung bringen. Wem Heil widerfahren ist, der kann nicht länger mit heillosen Verhältnissen und Beziehungen leben. Die Dankbarkeit für das von Jesus geschenkte Heil führt zu einem Leben mit neuen Maßstäben.

Ihr Pfarrer