Das Wort zum Sonntag – 30. Sonntag im Jahreskreis

Liebe Pfarrgemeinde!

Es sind wieder ganz besondere Schriftexte, die wir am heutigen dreißigsten Sonntag im Jahreskreis in der ersten Lesung (Ex 22, 20-26) und im Evangelium (Mt 22, 34-40) zu hören bekommen. Während in der ersten Lesung eine ganze Reihe von klaren Anordnungen, wie wir uns zu unseren Mitmenschen verhalten sollen, aufgezählt werden, fasst Jesus im Evangelium die vielen Gebote und Verbote des Alten Testaments (Jüdische Schriftgelehrte haben in der Bibel 248 Gebote und 365 Verbote gezählt) in zwei grundsätzliche Gebote zusammen: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit deinem ganzen Denken“ und „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst“. In dieser Sequenz des Neuen Testaments wird es meines Erachtens ganz klar: Jesus geht es in keiner Weise um das „Abarbeiten“ von Geboten und Verboten. Viel wichtiger ist ihm, dass im Zentrum unseres Tuns, als Triebfeder unseres Handelns, immer die Liebe steht.

Und es verwundert nicht, dass er die Gottesliebe als wichtigstes, als erstes Gebot bezeichnet. Wer in diese Liebesbeziehung mit Gott eintritt wird zwangsläufig die Erfahrung machen, von diesem Gott als geliebte Tochter, als geliebter Sohn angenommen zu sein.. Von dieser Gewissheit ganz in die Hand Gottes geschrieben zu sein, ist es nur mehr ein kleiner Schritt unseren Nächsten, unseren Mitmenschen, für den meine persönliche Erfahrung der Gotteskindschaft ja ebenso gilt, zu lieben. In diesem Kontext ist es vielleicht nicht mehr so schwer, meinen Nächsten, und zwar den ganzen Menschen auch mit seinen Schwächen, seinen Fehlern und Unzulänglichkeiten, seinen Ängsten und Sorgen in mein Herz zu nehmen. In mein Herz zu nehmen mit all dem, was er aus der Geschichte seines Lebens mitbringt, was ihn geprägt und geformt hat.

Gottes- und Nächstenliebe - ein auf den Punkt gebrachtes Grundsatzprogramm von Jesus Christus. Ich denke der Versuch das in unserem Leben wirklich umzusetzen wäre auch ein gutes Programm für uns!

Ich wünsche Euch (Ihnen) allen einen schönen, gesegneten Sonntag und eine gute Woche!

Heinz Kratochwill