Das Wort zum Sonntag – 28. Sonntag im Jahreskreis

Liebe Pfarrgemeinde!

Im heutigen Evangelium ist Jesus in den Süden, Richtung Jerusalem, unterwegs und befindet sich im Grenzgebiet von Galiläa und Samarien. Wie für Grenzgebiete typisch, leben dort Menschen aus beiden ethnischen Gruppen. Aus anderen Texten im Neuen Testament wissen wir, dass die Samariter kein besonders gutes Ansehen bei der jüdischen Bevölkerung hatten. In diesem Grenzgebiet will Jesus also in ein Dorf gehen. Wir erfahren nichts über seine Beweggründe, aber die Vermutung, dass er rasten und sich stärken oder sogar über Nacht dort bleiben möchte, liegt nahe.

Als sich Jesus jetzt dem Dorf nähert, kommen schon zehn Männer mit Aussatz auf ihn zu. Die deutsche Übersetzung der Krankheit, „Aussatz“, sagt schon viel darüber, was die Folgen für die Betroffenen sind. Sie werden „ausgesetzt“, da sie mit der ansteckenden Krankheit eine Gefährdung für die Gesellschaft sind. Die Männer, die auf Jesus zukommen, stehen außerhalb der Dorfgemeinschaft und müssen vor dem Dorf wohnen. Ganz gleich ob sie aus Galiläa oder Samarien stammen, sie sind auf jeden Fall Außenseiter. Niemand hat freiwillig mit ihnen Kontakt. Deshalb bleiben die zehn Kranken auch in großem Abstand stehen und rufen Jesus von dort aus zu. Sie kennen seinen Namen, haben also offensichtlich schon von ihm gehört und an ihrem Ruf „Hab Erbarmen mit uns!“ ist der feste Glaube, dass Jesus ihnen helfen kann, ersichtlich. Wie schon in zwei Geschichten, die uns Lukas früher in seinem Evangelium erzählt, ist es der Glaube, der den Ausschlag für die Heilung gibt.

Jesus schickt die Männer zu den Priestern, die laut den Geboten Gottes für das Volk Israel bestätigen müssen, dass die Krankheit geheilt ist, bevor die Aussätzigen wieder am Gemeinschaftsleben teilhaben dürfen. Der einzige, der Gott für das Wunder, das ihm widerfahren ist, lobt und sich bei Jesus bedankt, ist ein Samariter.

Lukas betont das, um seinen Leserinnen und Lesern klar zu machen, dass ein Fremder mehr vom Glauben verstehen kann, als jemand, der sich zum Volk Gottes zählt. Dieser Mann ist der einzige, der erkennt, dass Gott, der das Beste für seine Schöpfung will, durch Jesus den Menschen ganz nahe kommt.

Ihr Pfarrer