Das Wort zum Sonntag – 26. Sonntag im Jahreskreis

Liebe Pfarrgemeinde!

Ach, seid ihr da schön!“ sagt eine junge Frau zu Ihrer Freundin. Diese hat vor wenigen Wochen geheiratet. Jetzt sehen sie sich gemeinsam die Hochzeitsfotos an. Braut und Bräutigam sehen einfach klasse aus. Und sogar die Tränen der Brauteltern sind auf den Fotos festgehalten. Alle hatten sich schön gemacht für diesen Tag. Hochzeitsfotos sind spannend: Die Brautpaare strahlen Glück und Erwartung aus. Auf manchen Fotos ist aber auch einen Anflug von Unsicherheit, ja Verzagtheit zu erkennen. Das ist nicht verwunderlich, denn Paare, die sich trauen lassen, trauen sich wirklich etwas. Es gibt weder Heiraten auf Probe noch ein bisschen Heiraten. Das Jawort ist eine Entscheidung zum Du - lebenslang.

„Es ist nicht gut, dass der Mensch allein ist.“ - Dieser Satz aus der Schöpfungsgeschichte kommt mir in den Sinn, wenn ich an Ehe denke. Wir Menschen sehnen uns nach einem Gegenüber. Jeder braucht einen Menschen, der ihn anlächelt, der zuhört, der einen zum Lachen bringt, der manchmal hilft, der Fragen aushält, der kritisiert und hoffentlich lobt, der verwirrt und überrascht.

Aber es ist schon lange keine Selbstverständlichkeit mehr, dass das gut geht, dass ein Paar Jahrzehnte miteinander verheiratet ist, ihre Liebe sich im Lauf der Zeit vertieft hat und die den Stürmen des Lebens standgehalten hat. Manchen Paaren geht aber die Liebe im Alltag verloren, manchmal einfach so wie man ein Taschentuch verliert. Sie leben nebeneinander her und merken dies erst gar nicht. Irgendwann macht jeder sein eigenes Ding. Und eines Tages packt er oder sie die Sachen und zieht aus. Das kostet viel Kraft und tut weh. Auch dem, der geht.

Dass unser Leben Stückwerk ist, finde ich eine entlastende Sicht auf die Liebe. Wenn wir uns in unseren Beziehungen als Stückwerke verstehen, müssen wir uns nicht ständig gegenseitig stressen und überfordern. Wer um das Stückwerk weiß, kann leichter akzeptieren, dass der andere nur halb perfekt ist. Und kann in ihm dennoch etwas Großartiges sehen. Denn das Stückwerk weist weit über sich hinaus: Wie das Fragment einer kostbaren Vase, das ihre ganze schöne Gestalt erahnen lässt, so leuchtet Gottes Liebe im allem Stückwerk unseres Lebens und Liebens, sogar im Scheitern auf.

Gott hat uns schon längst mit unserer ganzen Gestalt erkannt. Damals, als er uns geschaffen hat und uns über dem Taufstein zusagte: „Du bist mein geliebtes Kind, an dir habe ich Wohlgefallen.“

Pfarrassistent Franz Pamminger