Das Wort zum Sonntag – 25. Sonntag im Jahreskreis

Liebe Pfarrgemeinde!

Eine richtige Geschichte aus der Arbeitswelt. Und was für eine! Wir begegnen Menschen an einem einzigen Tag, die von einer Überraschung in die nächste fallen. Am Abend ist dann so ziemlich alles anders als es am Morgen war. Freude und Verärgerung, Staunen und Kopfschütteln. Das liegt an dem Chef, der mit seiner Güte und Großmut alle geschriebenen - und ungeschriebenen - Gesetze über den Haufen wirft. Die Pointe am Schluss: Warum "Bist du neidisch, weil ich zu anderen gütig bin?"


Die Geschichte geht so:

Es ist die erste Stunde. Sonnenaufgang. Auf dem Marktplatz warten Menschen. Sie suchen Arbeit. Jeden Tag stehen sie hier. „Arbeitsmarkt" eben. Der Weinbergbesitzer kommt. Er bringt Arbeit mit. Heute hat er viel davon zu vergeben. Also, heute in den Weinberg. Es wird ein guter Tag. Am Abend gibt es einen Denar – das ist nicht viel, aber zum Überleben.

Drei Stunden später, sechs Stunden später, neun Stunden später: Da stehen immer noch Menschen auf dem Marktplatz. Und dann, eine Stunde vor Feierabend kommt der Weinbergbesitzer noch einmal und gibt weiteren Menschen eine Arbeit. Was Arbeit – auch geringfügige - für Menschen bedeuten kann, sehen wir in dieser Coronazeit, wo die Zahl der Arbeitslosen ins Unendliche gestiegen ist.

Am Abend wird abgerechnet. Die Überraschung ist vollkommen: Jeder bekommt einen Denar. Den Ertrag eines vollen Arbeitstages! Auch die Arbeiter der letzten Stunde.

Nun, ist das nicht ungerecht? Natürlich. Doch, vergessen wir nicht:

Dieses Evangelium ist keine Erklärung zum Thema »Soziale Marktwirtschaft«, die man zu antiken Zeiten auch nicht kannte. Es geht um ein Gleichnis!

Jesus erzählt die Geschichte Gottes, der in seiner Güte immer wieder kommt, Menschen abholt und ihnen das ganze Leben schenkt. Der eine Denar ist nicht nur das Existenzminimum, er steht für das geschenkte Leben, für Zukunft, für das Reich Gottes, für den Himmel.

Einen Anspruch des Menschen an Gott, was dieser den Menschen zu geben hat, gibt es nicht. Gott handelt an den Menschen aus Gnade und Barmherzigkeit. Und Jesus lädt mit dieser Rede dazu ein, blind darauf zu vertrauen und fest daran zu glauben, dass im Reich Gottes wirklich niemand zu kurz kommt. Voraussetzung ist ein absolutes Vertrauen in diesen Gott.

Keiner wird dort der Letzte sein oder wie ein solcher behandelt. Auch wenn er sich vielleicht – wir kennen die Umstände nicht – erst im letzten Augenblick bekehrt.

"Oder blickst du deshalb so böse, weil ich großzügig bin?" fragt Jesus.

Neid gibt es in seinem Reich nicht. Der Himmel ist offen: für Menschen, die nicht mehr "Erste" sein müssen und als "Letzte" nicht alleingelassen werden.


Heute wird in unserer Schwester Pfarre Dreifaltigkeit in Gottes Weinberg ein neues Mitarbeiterteam beauftragt. Ich gratuliere der Pfarrei, aber auch dem Seelsorgeteam. Wie im Gleichnis sind schon viele in den Weinberg Gottes berufen und rekrutiert worden, und sie haben ihren Teil dazu beigetragen! Es ist jetzt die richtige Zeit, zu der Gott euch gerufen hat, um dieser Aufgabe zu übernehmen. Alle unsere Hoffnungen sind auf euch gerichtet, und wir wünschen euch alles Gute! Wir sind nur demütige Verwalter in diesem Weinberg, aber vor uns steht ein wunderbarer Begleiter "Der Besitzer des Weinberg". Amen

Michael Lubega