Das Wort zum Sonntag – 25. Sonntag im Jahreskreis

Liebe Pfarrgemeinde!

"Gleicher Lohn für gleiche Arbeit!" – so lautet eine zutiefst berechtigte Gewerkschaftsforderung aus unserer Zeit. Wer gute Arbeit leistet und zur Stelle ist, wenn man ihn braucht, der soll dafür auch gutes Geld bekommen. Im Umkehrschluss gilt: Wem eine gute Belohnung winkt, der strengt sich offensichtlich auch mehr an. "Leistung muss sich wieder lohnen!", diese Forderung mag in der gegenwärtigen Wirtschafts- und Sozialordnung durchaus berechtigt sein. Für diejenigen allerdings, die nach der elften Stunde immer noch vor den Sprechzimmern des Arbeitsmarktservice warten, ist das blanker Hohn. Wir leben in einer Zeit, in der jeder sehen muss, dass er seinen Platz erkämpft und behauptet. Hierzu muss man leider oft genug auch die „Kunst“ der Ellbogentechnik beherrschen.

Und viele spüren, dass die Maßstäbe und Denkmuster, die vom Konkurrenzkampf um die Arbeit bestimmt werden, auch in andere Bereiche des eigenen Denkens und Fühlens hineinreichen: "Das ist ungerecht!", ist ein fast alltäglicher Ausruf. Die Kategorie der Gerechtigkeit prägt unser Denken und Handeln. Doch was empfinden wir als ungerecht? Was als gerecht?

Menschliche Vorstellungen von Gerechtigkeit und die Gerechtigkeit Gottes sind oftmals zweierlei. Das lehrt uns das Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg, das wir im heutigen Sonntagsevangelium hören. Dieser Text entlarvt die Unmenschlichkeit eines rein konsumorientierten und leistungsbezogenen Denkens, das dem Schwächeren keine Chancen lässt. Vor Gott jedoch sind alle Menschen gleich, auch der Schwache, der Kranke, der „reuige Sünder“, auch der, der ohne eigenes Verschulden erst spät zu Gott findet. Der Lohn dafür ist immer der gleiche: das Reich Gottes, das unteilbar ist und immer nur ganz gewonnen oder aber ganz verloren werden kann!

Ihr Pfarrer