Das Wort zum Sonntag – 25. Sonntag im Jahreskreis

Liebe Pfarrgemeinde!

Um das Gleichnis dieses Sonntags zu verstehen, muss man wissen, dass es gegen das jüdische Gesetz verstieß, Zinsen für das Ausleihen von Geld zu verlangen. Anstelle von Bankiers verdienten die Juden Zinsen, indem sie anstelle von Geld Produkte verliehen. In diesem speziellen Fall war der reiche Mann wahrscheinlich ein abwesender Grundbesitzer, der seinen Schuldnern Olivenöl und Weizen lieh, in der Erwartung, von jeder Ware mehr zurückzubekommen, als er ihnen geliehen hatte, wobei die Differenz den Zinskosten für seine Darlehen entsprach. Es wird davon ausgegangen, dass der Verwalter des Herrn auch seine Provision aus der Differenz zwischen dem geliehenen Betrag und dem Betrag der Rückzahlung erhielt.

Das religiöse Verständnis der Pharisäer bestand in einer sehr akribischen geistlichen Buchführung. Jeder hatte zu beten, zu zahlen und zu gehorchen. Wer das nicht tat, galt als Gesetzesbrecher und wurde ausgestoßen. Alles hatte seinen Preis und jeder hatte seinen Wert in dieser geistlichen Wirtschaft. Jesus hatte ein anderes Verständnis von unserem Wert in Gottes Augen.

Was die Pharisäer empört haben muss, war die Erkenntnis, dass der vorausschauende Verwalter im heutigen Gleichnis von Jesus gerade für seine umsichtige Voraussicht gelobt wurde, nicht weil er ein Betrüger war, sondern weil er ein Sünder war, der es wagte, auf Erlösung zu hoffen.

Jesus lobt nicht die Unehrlichkeit des Verwalters. Die Unehrlichkeit des Verwalters wurde aufgedeckt und war für jeden offensichtlich. Jesus kümmerte sich nicht um das Offensichtliche. Worum es Jesus geht, ist der Mangel an geistlicher Voraussicht bei seinen Jüngern.

Jesus will damit sagen, dass wir alle bei der Planung unserer geistlichen Zukunft genauso vorausschauend und umsichtig sein sollten wie die Weisen dieser Welt bei der Planung ihrer finanziellen und materiellen Zukunft.

Ihr Pfarrer