Das Wort zum Sonntag – 24. Sonntag im Jahreskreis

Liebe Pfarrgemeinde!

„Einmal der liebe Herrgott sein“, so heißt ein österreichischer Film aus dem Jahr 1941 mit dem unvergessenen Schauspieler Hans Moser in der Rolle eines Hotelportiers. Dieser Hotelportier möchte einmal nach Belieben schalten und walten können und als sich eine günstige Gelegenheit ergibt, tut er das dann auch. Er stiftet dabei allerdings lediglich ein ziemliches Durcheinander und muss am Ende froh sein, dass alles sich wieder in Wohlgefallen auflöst.

Das Gottesbild, das hinter diesem moser‘schen Herrgott steht ist relativ klar: Gott ist einer, der tun kann, was ihm gerade beliebt, der sich an nichts zu halten braucht, weil er ja göttliche – also unumschränkte unumschränkte Macht hat.

Wie anders ist da das christliche Gottesbild: Da schaltet und waltet Gott eben nicht nach Belieben, weil er sich aus Liebe zu seinen Geschöpfen verpflichtet weiß. Ganz im Gegenteil: Gott geht seinen Geschöpfen nach – es ist ihm nicht egal, was aus ihnen wird. Das macht uns das Gleichnis vom verlorenen Schaf im heutigen Sonntagsevangelium einmal mehr deutlich.

Einmal der liebe Herrgott sein. Wer das missversteht und denkt, das bedeute tun und lassen zu können, wonach einem halt gerade ist, der wird wie im eingangs erwähnten Film wohl auf Dauer auch einiges Durcheinander stiften.

Wer es nach dem Bild unseres Gottes versteht und sein Handeln nach dem Handeln Gottes ausrichtet, der wird sich einen behutsamen Umgang, eine liebevolle Haltung gegenüber allen Menschen machen. Ja, mehr noch: er wird versuchen, allen Geschöpfen, wo immer es notwendig ist und wo immer es ihm möglich ist, zu helfen.

Wer das verstanden hat, der will auch nicht nur „einmal der liebe Herrgott sein“, sondern der wird vielmehr sein ganzes Leben lang versuchen, sein Handeln am liebevollen Gott zu orientieren, der dem Verlorenen nachgeht, bis er es findet.

Ihr Pfarrer