Das Wort zum Sonntag – 23. Sonntag im Jahreskreis

Liebe Pfarrgemeinde!

„Alle Gebote sind in dem einen Satz zusammengefasst: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. Die Liebe tut dem Nächsten nichts Böses. Also ist die Liebe die Erfüllung des Gesetzes“, so hören wir an diesem Sonntag in der 2. Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus an die Römer. Klingt eigentlich sehr einfach. Ist es aber nicht immer. Mitunter werden wir gerade im Alltag Opfer unseres eigenen Misstrauens und die Liebe bleibt auf der Strecke.

Mich erinnert das an ein Ereignis, das mir vor einigen Jahren zu Ohren gekommen ist. Seither hat mich das nie mehr ganz los gelassen. Ich weiß nicht, ob ich es Ihnen schon einmal erzählt habe. Mag sein. Aber ich denke, es kann auf keinen Fall schaden, wenn wir uns diese Begebenheit noch einmal in Erinnerung rufen:

Eine Frau mittleren Alters kauft sich im Schnellrestaurant eine Suppe. Sie trägt den dampfenden Teller an einen der Stehtische und hängt ihre Handtasche darunter.

Da bemerkt sie, dass sie den Löffel vergessen hat. Also geht sie noch einmal zur Theke und holt sich den fehlenden Löffel. Als sie zurückkehrt, sieht sie am Tisch einen dunkelhäutigen Mann. Aber was macht der? Er löffelt doch tatsächlich ihre Suppe! „Eine bodenlose Frechheit! Typisch Ausländer!“, denkt die Frau empört. Sie drängt sich neben ihn, sieht ihn strafend an und taucht wütend ihren Löffel ebenfalls in die Suppe.

Die beiden sprechen kein Wort, aber nach dem sie die Suppe gemeinsam gelöffelt haben holt der Mann für sie beide Kaffee. Erstaunt bedankt sich die Frau mit einem Lächeln. Gemeinsam trinken sie schweigend den Kaffee, dann verabschiedet sich der Mann höflich und geht. Plötzlich kommt der Frau ein Gedanke… sie schaut unter den Tisch und fährt zusammen …. Wo ist ihre Handtasche?

Habe ich es mir doch gedacht …. so ein Betrüger … Jemand, der andere frech bestiehlt – ein gemeiner Dieb… ich hab's ja gleich gewusst.

Suchend geht der Blick der Frau durch das Restaurant. Aber der Mann ist bereits verschwunden.

Während sie sich noch darüber ärgert fällt ihr Blick auf den Nachbartisch - und sie erstarrt:

Dort hängt ihre Handtasche. Und auf dem Tisch steht ein Teller Suppe, der inzwischen kalt geworden ist.

Ihr Pfarrer