Das Wort zum Sonntag – 22. Sonntag im Jahreskreis

Liebe Pfarrgemeinde!

So gut wie jede Religion kennt Reinheitsgesetze. Auch wenn im Christentum das Denken in den Kategorien der kultischen Reinheit und Unreinheit weitgehend überwunden ist, so hat doch die Frage nach der ethischen Reinheit große Bedeutung. Darauf gibt Jesus im Evangelium dieses Sonntags Antwort: Nichts, was von außen auf den Menschen trifft, kann ihn unrein machen, sondern nur das, was "aus dem Menschen herauskommt", aus seinem Denken und Wollen kommt. Damit ist die Unterscheidung zwischen reinen und unreinen Menschen, zwischen reinen und unreinen Orten, zwischen reiner und unreiner Nahrung hinfällig. Jesus ging eng mit den als unrein Stigmatisierten um. Wo immer im Neuen Testament von Reinheit die Rede ist, geht es im Kern um das sittliche Verhalten der Christen. Reinigungsrituale, die bis heute in den Liturgien der christlichen Kirchen zum Vorschein kommen, symbolisieren nur diese ethische Reinheit. Sie sind weder Voraussetzung für die Teilnahme am Gottesdienst noch für die Begegnung mit Gott.

Kinder werden bis heute als Zeichen ihrer Reinheit in weiße Taufkleider gehüllt. Bräute treten im weißen Hochzeitskleid vor den Traualtar. Der Gedanke der Reinheit ist also keineswegs überholt. Aber er hat sich verändert. Nicht die Ausgrenzung des weniger Perfekten ist sein Sinn, sondern die Einladung, sich an ethischen Idealen zu orientieren und an ihnen aufzurichten. Menschen sollen und können aus der Begegnung mit Gott gerade neue Stärke gewinnen. Sie werden nicht auf ihre Fehlerhaftigkeit festgelegt, sondern von ihr befreit. Solche Rituale und Symbole machen sie selbstsicherer, souveräner.

Gerade als Christinnen und Christen sollten wir besonders achtsam sein, dass unsere ethischen Ansprüche nicht zu Urteilen über andere werden, die deren Würde herabsetzen oder sie gar ausgrenzen oder dass das freundliche Lächeln, Komplimente und Zusprüche nur „Show“ sind und nicht Ausdruck dessen, was wir im Herzen empfinden.

In diesem Sinn wünsche ich euch allen ein gutes, ein „erfolgreiches“ neues Arbeitsjahr und ein bereicherndes Miteinander!

Pfarrassistent Franz Pamminger