Das Wort zum Sonntag – 21. Sonntag im Jahreskreis

Liebe Pfarrgemeinde!

Im Evangelium vom heutigen Sonntag sagt Jesus: „Du bist Petrus – der Fels – und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen und die Pforten der Unterwelt werden sie nicht überwältigen. Ich werde dir die Schlüssel des Himmelreichs geben; was du auf Erden binden wirst, das wird im Himmel gebunden sein, und was du auf Erden lösen wirst, das wird im Himmel gelöst sein.“

Mit dieser Sequenz aus dem Matthäusevangelium legitimiert unsere katholische Kirche bis heute die Vorrangstellung, den Primat des Papstes gegenüber allen anderen Bischöfen, Priestern, Diakonen und Laien. Davon abgesehen, dass diese Stelle auch von namhaften Theologen als späterer nachösterlicher Einschub urchristlicher Gemeinden zur Bedeutungsaufwertung des Petrus angesehen wird. Die „Nachfolger Petri“ haben dann diese Argumentationsschiene tradiert. Wir sollten dabei jedoch ein Faktum nicht übersehen: wie auch immer - in diesen Sätzen geht es weniger um Übertragung von Machtfülle – das ist erst später immer mehr so interpretiert worden – sondern vielmehr um Übertragung von Verantwortung.

Das bedeutet aber folglich für jedes Bischofsamt - auch das des Papstes - es geht nicht primär um die Exekution von Dogmen, das Ausgrenzen unliebsamer Theologen, Priester und Laien oder das Festlegen von strikten Lebensnormen. Vielmehr besteht darin die Aufgabe, in die Herzen der Menschen hineinzuhorchen, was sie für ihre Heilswerdung brauchen, wo man sie auf ihrem Glaubensweg unterstützen und begleiten kann, wo es vielleicht notwendig weil Not-wendend ist, Kurskorrekturen im Leben des Einzelnen und von Gesellschaften in Betracht zu ziehen. Aber alles immer am Boden der von Jesus übertragenen Verantwortung, die untrennbar mit der Liebe Christi verbunden ist und bleibt.

Was für unsere Bischöfe gilt muss selbstverständlich für alle, die ein Amt in unserer Kirche übernommen haben, Priester und Laien, gelten. Jede Aufgabe, jede Funktion, jeder Dienst in unserer Kirche muss vor allem von dieser Verantwortung getragen sein, eine Verantwortung, die immer in der Zuwendung zu den Menschen gipfelt. Dazu sind wir alle in der Taufe berufen.

Heinz Kratochwill