Das Wort zum Sonntag – 21. Sonntag im Jahreskreis

Liebe Pfarrgemeinde!

Der alte Witz vom Autorennen, an dem bloß zwei Fahrer teilnehmen, nämlich ein Amerikaner und ein Russe, und das der Amerikaner gewinnt, stammt zwar aus den Jahren des kalten Krieges, aber er ist immer noch ein hervorragendes Beispiel für Manipulation durch Sprache. Denn derselbe Tatbestand wird – so die Pointe des Witzes – von den amerikanischen Medien ganz anders dargestellt als von den russischen. Während die Amerikaner vermerken, dass ihr Mann erster und der Russe letzter geworden sei, lautet die russische Version: „Unser Mann wurde zweiter, der Amerikaner vorletzter.“

„Sprachmanipulation“, „Etikettenschwindel“, „Schonfärberei“ oder gar „Umwertung aller Werte“: treffen solche Charakterisierungen nicht auch auf das Jesuswort von den Ersten, die die Letzten sein werden, zu? Nein, denn zum Unterschied von der Propagandasprache wird in diesem Jesuswort Wahrheit nicht verschleiert, sondern aufgedeckt.

„Manche von den Letzten werden die Ersten sein und manche von den Ersten die Letzten“ bedeutet, dass man sich von keinerlei Rangordnungen irritieren lassen soll, nicht einmal von den religiösen. Denn sonst könnte sich am Ende, nachdem man sein Leben lang schön brav danach gestrebt hat, der Letzte zu sein, um dann in der Ewigkeit einer der Ersten zu sein, herausstellen, dass man in Wirklichkeit bloß die Karriere eines Pharisäers gemacht hat.

Ihr Pfarrer