Das Wort zum Sonntag – 20. Sonntag im Jahreskreis

Liebe Pfarrgemeinde!

Es lässt sich nicht leugnen, dass die Art und Weise, wie Jesus in der heutigen Evangeliums-Episode gehandelt hat, einzigartig ist. Es ist wohl das einzige Mal, dass das Verhalten Jesus zu der Annahme verleitet, als wolle er eine Bitte, die jemand beharrlich und inbrünstig vorbringt, ablehnen. Und dann könnte man den Rest seiner Bemerkungen fast als beleidigend bezeichnen.

Anscheinend wurde die Frau nicht wütend oder frustriert. Sie gab die Hoffnung nicht auf, sondern blieb mittendrin. Und am Ende können wir sagen, dass sie gewonnen hat. Tatsächlich macht ihr Jesus am Ende ein großes Kompliment wegen ihres tiefen Glaubens. Und noch wichtiger ist, dass sie das erhält, worum sie ursprünglich gebeten hatte, die Heilung ihrer Tochter.

Ich gebe zu, es ist leicht zu sagen, dass das Verhalten der Frau für uns als Beispiel dienen soll. Ich glaube, dass unser Gebetsleben, besonders wenn wir mit unseren Bedürfnissen und Bitten zu Gott gehen, eine große Prüfung unseres Glaubens sein kann. Der Grund, warum ich das sage, ist, dass es oft den Anschein hat, dass unsere Gebete, ja unsere gut gemeinten Gebete scheinbar unbeantwortet bleiben. Ich beziehe mich nicht auf diese Gebete, wenn wir um materielle Dinge wie Geld oder Arbeit oder sogar Gesundheit beten. Ich beziehe mich auf die Zeiten, in denen wir für die Bekehrung geliebter Menschen beten, die von der Kirche abgefallen sind, die ihre Religion nicht mehr ausüben, die nicht mehr glauben. Warum werden diese Gebete nicht erhört?

Es gibt so viele Dinge über Gott, die wir nicht kennen oder verstehen. Eines davon ist das, was ich "Gottes Timing" nennen möchte. Streng genommen gibt es keine Zeit mit Gott in dem Sinne, dass wir Gott verstehen. Bei Gott ist alles ein ewiges "Jetzt". Das können wir nicht verstehen, also versuchen wir es gar nicht erst. Und Gott hat seine Gründe, Dinge geschehen zu lassen, wann und wo sie geschehen sollen. Wenn Er also unsere Gebete nicht sofort beantwortet, wie wir es gerne hätten, dann hat Er Seine Gründe. Aber denken Sie daran, dass Jesus uns gesagt hat: Bittet, und ihr werdet empfangen. Ich kann Ihnen versichern, dass Er es so gemeint hat. Er hat nie gesagt: Bittet, und ihr werdet sofort empfangen.

Jesus selbst nennt uns den Grund, warum er die Bitte dieser fremden Frau beantwortet hat: Es war ihr großer Glaube; ihr großes Vertrauen, dass Jesus ihrer Bitte entsprechen würde. Leider verlieren heute in der modernen Welt zu viele Menschen ihren Glauben an Gott. Wie viel Glauben und Vertrauen habe ich, wenn ich für die Bekehrung eines geliebten Menschen bete? Habe ich so viel Glauben wie diese Frau, die um die Heilung ihrer Tochter bat? Immerhin hatte Jesus ihr gesagt, da sie keine Jüdin sei, sei er nicht wirklich zu ihrem Nutzen gesandt worden und er sei nicht für sie zuständig.

Zum Schluss möchte ich Ihnen eine Begebenheit aus dem Leben meiner Mutter erzählen. Ich habe einen Bruder, der seit etwa 15 Jahren nicht mehr zur Kirche ging. Eine Tante von mir fragte meine Mutter einmal, ob sie sich Sorgen um ihn mache. Ohne zu zögern antwortete meine Mutter: "Ich mache mir keine Sorgen um ihn; ich bete nur für ihn. Was für eine Weisheit von jemandem, der nur in die fünfte oder sechste Klasse ging! Und was noch wichtiger ist: Welchen tiefen Glauben im Gebet hatte sie! Wie ist Ihr Glaube, wie sieht es mit meinem Glauben im Vergleich dazu aus?

Michael Lubega