Das Wort zum Sonntag – 20. Sonntag im Jahreskreis

Liebe Pfarrgemeinde!

Nichtraucher werden wohl nie ganz die Panik nachempfinden können, in die ein Raucher gerät, dessen Feuerzeug nicht mehr zündet und der nun Fremde um Feuer bitten muss. Und sie werden erst recht nicht die Seligkeit nachempfinden können, die es für den Raucher dann bedeutet, jemanden gefunden zu haben, der ihm Feuer geben kann.

Zwar ist das erwiesenermaßen gesundheitsschädliche Rauchen nicht unbedingt das beste Beispiel für die im wahrsten Sinne des Wortes beseligende Erfahrung des befeuert Werdens und des Weitergebens der glühenden Ergriffenheit, aber das Feuer ist nun einmal eine zwiespältige Sache. Auch als Bild für die Liebe und den unauslöschlichen Geist hat es sein Gegenüber im Feuer der Hölle; und welcher Gesang aus dem Feuerofen zu vernehmen ist – ob Heulen und Zähneknirschen oder geisterfüllte Zungenrede -, liegt offenbar nicht am Feuer als solchem.

Wenn Jesus „Feuer auf die Erde werfen“ will, muss er nicht unbedingt gleich ein teuflischer Pyromane wie Kaiser Nero sein, der die ewige Stadt brennen sehen wollte. Er könnte auch als sonniger Prometheus erscheinen, der will, dass die Menschen der göttlichen Gabe teilhaftig werden. Aber wohltätig ist auch die Macht des Feuers Jesu nur dann, wenn sie der Mensch bezähmt und bewacht. Nur ist die Gefahr eher die, dass zu viel bewacht und gezähmt wird und dass das göttliche Feuer dann nicht nur keinen Brand stiftet, sondern nur noch lauwarm wärmt.

Ihr Pfarrer