Das Wort zum Sonntag – 20. Sonntag im Jahreskreis

Liebe Pfarrgemeinde!

nach Heilungen und einer Auseinandersetzung mit den Pharisäern und Schriftgelehrten zieht sich Jesus in die Gegend von Tyrus und Sidon zurück, ganz im Nordwesten des Landes, auf heidnisches Gebiet. Was mag ihn wohl bewogen haben, dorthin zu gehen? Dort kommt eine kanaanäische Frau, also eine Heidin, auf ihn zu und bittet ihn, ihre Tochter von einem Dämon zu befreien. Hat es sich denn bis in diese Gegend herumgesprochen, was er tat und wer er war?

Zunächst ist die Reaktion Jesu auf das Anliegen der Frau überraschend. Jesus gibt ihr keine Antwort, obwohl sie sogar hinter ihm her schreit; er überhört, ignoriert sie, oder will einfach nur in Ruhe gelassen werden.

Erst nachdem die Jünger ihn ansprechen, reagiert er abermals sehr ungewöhnlich, ja sogar schroff: „Ich bin nur zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel gesandt.“ Er sagt ihr klar und deutlich, dass er für sie nicht zuständig ist.

Aber die Frau ist hartnäckig. Sie gibt nicht klein bei und bittet noch einmal. Da kommt eine weitere „harte“ Äußerung über seine Lippen: „Es ist nicht recht, das Brot den Kindern wegzunehmen und den Hunden vorzuwerfen.“

Wie muss sich diese Frau da gefühlt haben? Trotz allem lässt sie nicht locker. Wie tief muss ihr Glaube an ihn sein und wie groß ihr Vertrauen in ihn? So greift sie seine Erklärung auf und bemerkt ganz sachlich, dass selbst die Hunde von den Brotresten bekämen, die vom Tisch ihrer Herren fallen. Erst da gibt sich Jesus gleichsam „geschlagen“. Er erkennt ihren Glauben an – und erfüllt ihre Bitte.

Ich frage mich: Wo sind wir in unserem Leben so beharrlich und hartnäckig wie diese Frau? In der Familie, im Beruf? – Manchmal vielleicht. Aber sind wir es auch in Glaubensangelegenheiten?

Eines ist sicher: Der tiefe, unerschütterliche Glaube dieser heidnischen Frau kann für uns ein Vorbild sein, gerade in Zeiten, in denen der Glaube bei vielen Menschen mehr und mehr verdunstet. Dieses Evangelium kann uns Kraft und Zuversicht geben, mit unserem Glauben nicht „hinter dem Berg zu halten“ und dafür in der Öffentlichkeit einzustehen und ihn immer wieder auch zu leben.

Pastoralassistent Michael Mitter