Das Wort zum Sonntag – Pfingstsonntag

Liebe Pfarrgemeinde!

„Flaute“ bedeutet für den Segler das vorläufige Ende des Segeltörns. Nichts tut sich mehr. Jetzt kann er sich nur noch treiben lassen, oder er steuert mit Hilfe eines Außenbordmotors den Hafen an. Erst wenn die notwendige Grundlage fehlt, wird dem Segler bewusst, wie selbstverständlich er sich auf etwas verlässt, das gar nicht selbstverständlich ist.

„Geistige Windstille“ - davon sprechen wir, wenn uns die zündende Idee fehlt und sich Lähmung breit macht. Wir scheinen auch in unserem Leben auf eine Kraft zu bauen, über die wir nicht selbst verfügen. Sie wird uns zuteil. Sie ist Geschenk.

„Ruach“, das lautmalerische hebräische Wort für „Geist, Hauch und Wind“, führt uns zu dem Geheimnis, das wir zu Pfingsten feiern. Es versinnbildlicht das Wirken des Heiligen Geistes in der Gemeinschaft der Glaubenden, die sich Kirche nennt. Der Heilige Geist ist wie der Wind in den Segeln, ohne den es kein Fortkommen gibt. Wo der Geist auszugehen droht, da macht sich Stillstand breit. Und so manch einer ist versucht, „die Segel zu streichen“.

Auch baulich wird diese bildliche Sprache aufgegriffen: Der Teil des Gotteshauses, in dem die Gemeinde sitzt, trägt die Bezeichnung „Kirchenschiff“.

„Der Wind weht, wo er will; du hörst sein Brausen, weißt aber nicht, woher er kommt und wohin er geht. So ist es mit jedem, der aus dem Geist geboren ist“, so lesen wir im dritten Kapitel des Evangeliums nach Johannes.

Pfingsten spricht von dem unverhofften frischen Wind in den Segeln der Jünger damals und der Gemeinschaft der Christinnen und Christen heute. Gott lässt uns nicht allein! Er inspiriert unser Denken, Reden und Handeln. Durch das Wirken des Heiligen Geistes führt uns Gott zielsicher dem heimatlichen Hafen entgegen.

So wünsche ich uns allen zu Pfingsten viel frischen Wind und wie man in Norddeutschland so treffend sagt „immer eine Handbreit Wasser unterm Kiel“.

Ihr Pfarrer