Das Wort zum Sonntag – Pfingstsonntag

Liebe Pfarrgemeinde!

„Er hauchte sie an und sprach zu ihnen: 'Empfangt den Heiligen Geist.'" so kennzeichnet das Johannesevangelium den Pfingsttag. Der Evangelist Lukas, der Verfasser der Apostelgeschichte gestaltet die Geistsendung am Pfingsttag in wunderbare Symbole: ein Sturm erhebt sich, einfache Menschen werden ergriffen und begeistert. Feuerzungen schweben über ihnen. Sie reden vor vielen Menschen. Die Anwesenden fühlen sich tief angesprochen.

Da, wo wir Pfingsten feiern - 50 Tage nach Ostern feierten die Juden ihr Schawuot-Fest – 50 Tage nach dem Pessach-Fest. Es ist das Fest des Wortes Gottes, der Thora, der Zehn Gebote, die alle Jüdisch-Gläubigen eint, ob sie zu Hause in Israel leben oder verstreut irgendwo im Ausland, im großen Weltreich der Römer. Hier beim Pilgerfest an Pfingsten in Jerusalem erfuhren sie erneut die Kraft des Wortes: „Dein Wort ist meinem Fuß eine Leuchte, ein Licht für meine Pfade“. Es waren viele Volksgruppen jüdischen Glaubens mit eigenen Sprachen versammelt. Da geschah es, dass Gläubige aus allen möglichen Ländern, aus Ägypten, aus Rom, aus Kreta oder Arabien, "außer sich vor Staunen" gerieten, Denn jeder hörte die Jünger plötzlich in seiner Muttersprache reden, er verstand auf wundersame Weise, was gesprochen wurde. Sie waren durchdrungen vom Geist der Herzlichkeit und des Miteinander. Sie wurden eine neue Einheit im Glauben an Jesus, das neue Gottesvolk.

Wenn wir zurückgehen an den Anfang des Alten Testamentes, finden wir die Erzählung des Turmbaus zu Babel. Menschen sprechen eine Sprache und wollen einen Turm bis in den Himmel bauen, um selbst Gott zu sein. Ihr Hochmut bringt sie durcheinander, sie verstehen sich nicht mehr. Pfingsten dagegen ist das Wunder des Grenzen überschreitenden Verstehens. Dieser Heilige Geist, der auf die Jünger herabkam, schuf die Einheit der Gläubigen und hob die Kirche aus der Taufe - manch einer spricht sogar vom "Geburtstag der Kirche".

Von diesem Moment an verstand sich die Schar der Jünger als Gottesvolk. Der Geist schuf eine lebendige Beziehung zu Jesus und zueinander. Er wurde sozusagen zum Verbindungsglied zwischen Gott, seinem Sohn, und der Erde. Da ruft er seine Kirche zusammen. Er hält in ihr Jesus lebendig.

Gerade zu Pfingsten sollten auch wir uns wieder der Einheit erinnern: der Einheit in unserer Pfarre, in unserer katholischen Kirche, aber auch der Einheit aller christlichen Kirchen und damit verbunden: das Einander-Verstehen-Wollen.

Euch allen ein gesegnetes Pfingstfest!

Ihr Pfarrer