Das Wort zum Sonntag – 6. Sonntag der Osterzeit

Liebe Pfarrgemeinde!

Es erfüllt mich mit großer Freude, euch hier in unserer Kirche zu sehen, nach so langer Zeit, in der wir uns wegen der gegenwärtigen Pandemie nicht mehr hier sehen konnten! Ihr seid alle wieder herzlichst willkommen!! Wie schön ist es doch, Schwestern und Brüder, zusammen zu sein, zusammen zu leben, miteinander zu reden, zusammen zu beten und bald zusammen Kaffee zu trinken! In der Tat wiederhole ich mutig die Worte des Psalmisten, indem ich sage: Gottes Liebe währt ewig... (Psalm 136, 1-9).

Nach so langer Zeit bin ich mir ganz sicher, dass sich jeder von uns seiner Abhängigkeit von seinen Mitmenschen und dem Bedürfnis nach Begegnung mit einem anderen Menschen immer mehr bewusst geworden ist. Gerade als glaubender Mensch ist sich jeder von uns immer mehr der Notwendigkeit und Unverzichtbarkeit der Unterstützung einer christlichen Gemeinschaft bewusst geworden, die von der Kirchengemeinschaft (Pfarrgemeinde) angeboten wird und die für das Wachstum unseres persönlichen Glaubens sehr wichtig ist, wie Papst Franziskus uns daran erinnerte.

Heute feiern wir den 6. Sonntag der Osterzeit. Der Auszug aus dem Evangelium, der uns heute zu unserer Meditation gegeben wurde, präsentiert uns eine der Reden Jesu mit seinen Jüngern. Diese Rede findet beim Letzten Abendmahl statt und stellt den Versuch Jesu dar, die Jünger auf das Kommende vorzubereiten. In diesem besonderen Teil hebt Jesus unter anderem zwei Aspekte hervor:

Erstens und vor allem betont er die Liebe der Jünger zu ihrem Meister. Er sagt: "Wenn ihr mich liebt, haltet meine Gebote... Einer, der meine Gebote hat und sie hält, dieser Mensch ist einer, der mich liebt" (15, 21, 23-24). Jesus verbindet Liebe und Gehorsam.

Liebe Freundinnen und Freunde im Herrn! Unser Gehorsam gegenüber Gottes Geboten ist ein Zeichen unserer Liebe zu ihm. Tatsächlich wird unsere Treue zu den Worten Jesu zu einem wichtigen Kennzeichen unserer christlichen Jüngerschaft. Wir sind daher eingeladen, die Gebote Gottes zu "halten", d.h. sie in unserem täglichen Leben gern zu erfüllen. Treffend betet der Psalmist: Gottes Gebote sind Wahrheit und sie sind Leben (Psalm 119: 142-151) - wir werden jenes wahre Leben im Herrn haben, das zur Errettung führt.

Zweitens bekräftigt Jesus seinen Jüngern seine fortwährende Gegenwart bei ihnen im Heiligen Geist, den sein Vater ihnen senden würde. Er sagt: "Ich werde zum Vater beten, und er wird euch einen anderen Ratgeber geben, dass er für immer bei euch sein möge.... Ich werde euch nicht als Waisen zurücklassen" (16, 18). Dies ist die Verheißung Jesu, uns den Heiligen Geist zu geben, der Gottes Gegenwart mit uns zur täglichen Basis in dieser Welt werden lässt. Jesus bindet sich an uns, seine Jüngerinnen und Jünger, mit dem Versprechen seiner unaufhörlichen Gegenwart bei uns. Er versichert uns kategorisch, dass er uns niemals als Waisen zurücklassen wird. Hier wird das Wort "Waise" verwendet, um einen Jünger zu bezeichnen, dessen Meister gestorben ist. Jesus sagt uns sozusagen, dass Er uns nie allein lassen wird, dass Er nie von uns verschwinden wird, dass Er nie verloren sein wird, dass Er uns nie verlassen wird.

Brüder und Schwestern, hat jemand von uns je gedacht, dass der Herr uns in dieser Pandemie im Stich gelassen hat? Vielleicht konnten wir ihn erfahren: in unserer Angst vor dem Virus und vor dem möglichen Verlust von Menschenleben; in dem Verzicht, unsere Lieben zu besuchen; in der Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes; oder in der Angst vor der Ungewissheit unserer Zukunft!!

Das heutige Evangelium erinnert uns alle daran, dass der Herr uns weder im Stich gelassen hat noch jemals im Stich lassen wird. Es ist der Herr selbst gewesen, der uns durch die vorangegangene Zeit der Pandemie hindurch beigestanden ist und der uns auch weiterhin beschützen und uns durch diese Pandemie hindurch sicheren Beistand leisten wird. Ja wir dürfen fest daran glauben, dass unsere Lieben, die wir durch diese Pandemie verloren haben, letztlich von Ihm nicht im Stich gelassen wurden, sondern dass Er sie an Seine Seite gerufen hat, damit sie bei Ihm, in Seinem eigenen Haus Rast machen, so wie Er auch Seine Jünger an Seine Seite rief, die von einer anstrengenden Mission zurückkehrten. (Markus 6,30-32).

Möge diese Verheißung unseres Herrn Jesus Christus immer in unserem Leben widerhallen. Der Herr sendet uns nun alle aus, diese Gute Nachricht unseren Schwestern und Brüder zu bringen, die heute nicht unter uns sind.

Michael Lubega