Das Wort zum Sonntag – 6. Sonntag der Osterzeit

Liebe Pfarrgemeinde!

Solange Jesus bei seinen Jüngern war, war er ihnen ein Ratgeber, ein Anführer, ein Freund. Er lehrte sie, haderte oft genug mit ihren Vorurteilen und ihrer Ignoranz, aber sprach ihnen immer wieder auch neuen Mut zu. Das Leben mit Jesus muss für seine Freunde ein Fest gewesen sein. Von all dem gilt es nun Abschied zu nehmen. Zu Christi Himmelfahrt – nur noch ein paar Tage entfernt – würde er sie verlassen.

Aber den Vater möchte er noch um einen Beistand für sie bitten: um den Geist der Wahrheit und des Trostes. Jesus weiß, was seine Freunde jetzt brauchen: Trost brauchen sie, genauer gesagt: einen Tröster. Einen, der bei ihnen bleibt. Einen, der ihnen Kraft gibt und sie nicht verlässt.

Vor ein paar Tagen durfte ich wieder eine Familie auf ihrem letzten gemeinsamen Weg mit ihrer verstorbenen Mutter und Großmutter begleiten. Ich denke mir manchmal, es wird auch dieser riesige, unüberwindbare Abstand sein, der nun zwischen den Hinterbliebenen und ihrem verstorbenen Angehörigen steht, der sie trauern und verzweifeln lässt, auch wenn der Verstorbene in Gedanken und im Herzen immer bei ihnen bleiben wird.

Wir Menschen definieren uns gerne über Abgrenzungen und Distanz: Hier bin ich, dort bist du. Ich bin nicht du und du bist nicht ich. Die „nötige Distanz“ zu wahren – das macht unser Leben viel zu oft aus. Doch der Tröster, der uns versprochen wird, durchbricht einfach jegliche Distanz: Denn „ihr seid in mir und ich bin in euch.“

Die Jünger sehnen sich nach einem Tröster wie wir alle, wenn wir jemanden verloren haben. Und Jesus sendet uns immer wieder diesen Tröster, von dem er sagt: Er wird immer bei uns bleiben! Allein das macht schon einen guten Tröster aus. Er bleibt. Er läuft nicht weg. Er hört zu. Er schweigt.

Auch wenn der Mensch Jesus nicht mehr bei uns ist: wir sind nicht allein. Jesus ist nicht irgendwo weit weg. Er ist uns sehr nahe. Durch den Beistand ist Jesus in uns!

Pastoralassistent Michael Mitter