Das Wort zum Sonntag – 3. Sonntag der Osterzeit

Liebe Pfarrgemeinde!

Es gibt so einen Satz, von dem ich nicht so recht weiß, ob ich ihn lieben oder hassen soll: „Wenn die Kirche nicht modern werden will, wird sie modern!“ Und gerade jetzt, wo so viel in unserer Diözese über die Zukunft der Kirche geredet und dafür geplant wird, kommt er mir immer wieder einmal in den Sinn. Schafft die Kirche es in der modernen Zeit, im 21. Jahrhundert ihre frohe Botschaft zu verkünden oder modert sie so dahin und verströmt den Geruch von Sterbendem?

Jetzt, wo Ostern vorüber ist und der Mai ins Land gezogen ist, wo Jesus in der österlichen Zeit, in der wir noch einen ganze Weile sind, begegnet er seinen Jüngerinnen und Jüngern, langsam beginnen sie zu glauben, dass es doch wahr ist mit der Auferstehung. Die Zweifler, Feiglinge, Verräter sind nicht mehr zu erkennen. Mit einem Mal werden sie zu Aposteln, zu Zeugen der Überzeugung, zu Zeugen der Wahrheit. Sie sind nicht Hüter eines vermoderten Knochengerippes, das gepflegt, gereinigt, konserviert werden muss, damit es sich mit der Zeit nicht auflöst. Nein! Eigentlich werden sie zu Zeugen einer einzigen Wahrheit: "Er lebt..., obwohl er gestorben ist. Und in seiner Auferweckung ist unser aller Auferweckung bereits mit ausgesagt." Diese - und einzig diese - Botschaft vermochte milliardenfach denselben Wandlungsprozess zu bewirken. Diese Botschaft riss nicht nur Einzelne vom Hocker. Ganze Kulturen verloren ihr Fundament und veränderten sich aufgrund dieser einen Wahrheit, dass der Tod nicht jene Allmacht hat, die er beansprucht. Sie öffneten sich nicht der Moderne. Nein! Sie fassten Fuß in der Wahrheit. Auf das Wort von der Auferweckung hin fiel und fällt nämlich den Menschen ein Stein vom Herzen, ein Stein, der sie zu Boden drückte. Die Menschen bekommen Flügel und vermögen Mauern zu überspringen. Nichts, aber auch gar nichts steht dem Christen im Wege: nicht einmal der Tod.

Hören wir heute auf das, was uns der auferweckte Christus zu sagen hat. Er spricht mich beim Namen an, genauso wie damals Maria am Ostermorgen in Jerusalem: „Franz! Hab keine Angst. Schau! Der Stein ist dir schon längst vom Herzen gefallen. Deswegen kannst mit anderen Augen unsere moderne Kultur wahrnehmen und den Teufelskreis der sich aufschaukelnden Ängste durchbrechen. Du kannst zu einem Zeugen der Auferweckung werden: für diese modernde plurale Welt. Und vergiss nicht: Du bist nicht allein. Schau! Da gibt es auch den Sepp, die Maria, und und und…!“ Es sind Milliarden von Zeitgenossen, die das glauben. Freilich zweifeln sie, und auch du zweifelst. Sie haben auch Angst. Das habe ich auch gehabt. Vergiss nicht den Ölberg. Vergiss vor allem aber nicht: Auch der Kirche fällt der Stein vom Herzen! Aber nur, wenn sie Ostern feiert und an die Auferweckung glaubt. Fürchte dich also nicht! Hab keine Angst! Und rufe den anderen diese Osterbotschaft zu: 'Schau! Dir ist schon der Stein vom Herzen gefallen. Du lebst! Du wirst leben! Durch den Tod hindurch!'

Pfarrassistent Franz Pamminger