Das Wort zum Sonntag – 4. Sonntag der Osterzeit

Liebe Pfarrgemeinde!

später viel später
blickte maria
ratlos von den altären
auf die sie
gestellt worden war

und sie glaubte
an eine verwechslung
als sie
- die vielfache mutter -
zur jungfrau
hochgelobt wurde

und sie bangte
um ihren verstand
als immer mehr leute
auf die knie fielen
vor ihr

und angst
zerpresste ihr herz
je inniger sie
- eine machtlose frau -
angefleht wurde
um hilfe und wunder

am tiefsten
verstörte sie aber
der blasphemische kniefall
von potentaten und schergen
gegen die sie doch einst
gesungen hatte voll hoffnung

Protestantisch-kritisch blickt hier der Schweizer Pfarrer und Poet Kurt Marti auf das, was die Verehrung der Jahrhunderte aus Maria, so wie die Bibel sie uns schildert, gemacht hat. Neben all meinen Problemen mit Maria war Basis für meine Marienverehrung immer die biblische Maria: die einfache und doch so starke Frau, der Gott so vieles zugemutet hat, deren grenzenloses Gottvertrauen ihr aber auch den Mut gegeben hat für ihren Weg, der geradezu exemplarisch für die Einladung Gottes an jeden Menschen steht.

Diese biblische Maria fordert mich – mehr noch als alle überirdische Verklärung der Jahrhunderte – auf, dass auch ich diesem Gott bedingungslos vertrauen darf, auch wenn ich seine Wege mit mir oft nicht verstehe. Ich darf ihm – wie Maria – vertrauen, weil er mich kennt und grenzenlos liebt. Ein Mensch, der das – wie Maria – im Leben erfährt, ein Mensch, der sich in den Höhen und Tiefen im Blick auf Maria auch selber von Gott geführt und getragen weiß, erfährt zuerst Kraft und Mut aus diesem Glauben, aber schließlich auch eine große Dankbarkeit.

Egal, ob ich mich heute in die biblischen Berichte über Maria in den Evangelien vertiefe, oder ob ich auf die üppige Dankbarkeit schaue, von der gerade auch die Marien-Wallfahrtsorte unserer Heimat reichlich Zeugnis geben, es geht immer nur um eines: Wo kann ich spüren, dass GOTT mich ebenso erwählen und ansprechen will, wie einst Maria? Wo fühle und erlebe ich, was GOTT heute mit mir vorhat? Wo spüre ich den Mut und die Geborgenheit, die einst auch Maria geholfen haben, ihren Weg mit GOTT zu gehen?

Egal wer ich heute bin, was ich vorhabe und wie ich lebe, auch Dir und mir ruft Maria heute – wie einst den Dienern in Kana – mitten im Leben aufmunternd zu:„Was ER euch sagt, das tut!“

Pfarrassistent Franz Pamminger