Das Wort zum Sonntag – Ostersonntag

Liebe Pfarrgemeinde!

„Der Tod hat keinen Stachel mehr, der Stein ist weg, das Grab ist leer. Halleluja!“ so heißt es in einem alten Osterlied. Ob Maria von Magdala das auch gleich so empfunden hat, als sie frühmorgens zum Grab ging? Der große Stein war weggenommen. Nicht Osterstimmung - im Gegenteil, das Erste waren Schrecken und Verwirrung. Es war die Angst, der Leichnam Jesu könnte gestohlen worden sein. Zunächst keine Spur von Hoffnung. Kein Gedanke daran, Jesus könnte den Tod überwunden haben, das offene Grab könnte ein Zeichen seines Ostersieges sein. Da war nur Ratlosigkeit, Furcht und Erschrecken.

In der Osternacht feiern wir die Auferstehung Christi, besingen das Licht der Osterkerze, hören die großen Taten Gottes. Wir singen Osterlieder, besingen den Sieg Jesu über den Tod, singen von Leben und Hoffnung. Aber die Botschaft der Osternacht ist von so gewaltiger Sprengkraft, dass wir uns viel öfter die Frage stellen sollten: was bedeutet Ostern für mich ganz persönlich, welchen Platz hat dieses Fest in meinem Leben?

Für Maria von Magdala, für Petrus und für den "anderen Jünger" war das Geschehen noch nicht gleich verständlich. Petrus und der "andere Jünger" eilen zum Grab, schauen und gehen in die Grabkammer. Sie ist wirklich leer. Nicht einmal der Leichnam ist da. Sie stehen vor dem Nichts und sie sehen nichts - nur das leere Grab.

Auch wir stehen manchmal vor dem Nichts. Immer dann, wenn

  • eine Beziehung zerbrochen ist und alle Versuche neu anzufangen zum Scheitern verurteilt sind,
  • wir es aushalten müssen, dass immer mehr Menschen unserer Kirche den Rücken kehren,
  • alle Bemühungen Frieden zu schließen umsonst sind,
  • wenn ein lieber Mensch stirbt, und der Platz an meiner Seite leer bleibt.

Der Karfreitag bricht unvermeidlich in jedem Leben irgendwann an. Genauso der Karsamstag. In diesen Augenblicken völliger Sinnlosigkeit und Finsternis möchten wir am liebsten sagen, alles sei nicht wahr. Aber der Ostersonntag kommt. Er kommt so sicher wie das Morgenlicht. Dann geht es nicht mehr darum, an die Unsterblichkeit der Seele in einer Weise zu glauben, dass es mir irgendein Theologe beweisen müsste. Nein, das habe ich dann selbst erfahren - und ich weiß, dass das immer wieder so abläuft: vom Karfreitag durch den Karsamstag in den Ostersonntag. Der Tod, der von der Liebe umarmt wird, hat keinen Stachel mehr.

Hier setzt Ostern an. Genau dort, wo mein Leben an Grenzen stößt - dort, wo ich im leeren Grab stehe oder hinein schaue.

Auferstehung wird in meinem Leben greifbar

  • wenn ich trotz allem, was in meinem Leben zerbrochen ist, an die Liebe glaube,
  • wenn ich trotzdem glaube, dass Gottes Geist die Kirche gestaltet und aufbaut,
  • wenn ich kleine Zeichen der Versöhnung setze oder zulasse,
  • wenn ich vor dem Grab eines geliebten Menschen stehe und weiß, dass unsere Liebe durch die Kraft Gottes stärker ist als die brutale Wirklichkeit des Todes,
  • wenn der "andere Jünger" von damals und wenn Sie, Du und ich heute "sehen und glauben"

„Der Tod hat keinen Stachel mehr, der Stein ist weg, das Grab ist leer. Halleluja!“

Ihr Pfarrer