Das Wort zum Sonntag – 4. Fastensonntag

Liebe Pfarrgemeinde!

Da kam jemand und erklärte mit traurigen Augen: „Ich bin eine Null, eine totale Null.“ Und dann schüttete er sein Herz aus: „Niemand mag mich. Ich mag mich auch selbst nicht. In der Schule hatte ich immer schlechte Zeugnisse. Auch in der Liebe klappt bei mir nichts. Warum gibt es mich überhaupt?“ Der junge Mann litt unter dem totalen Verlust seines Selbstwertgefühls. Er ist damit nicht der Einzige. Viele schleppen solche Stimmungen in sich herum. Sie sind in Büros, in Werkshallen, sitzen in großen Autos und auf dem Fahrrad. Das mangelnde Selbstwertgefühl tritt auf ganz unterschiedliche Weise auf. Nicht selten auch in Form von Arroganz und Geringschätzung anderer.

Wie ist das eigentlich mit den Nullen? Auch 6 Nullen ergeben nur eine Null: 000000. Und wenn man hinter die erste Null ein Komma setzt, wird es nicht besser. Es bleibt alles eine Null: 0,000000. Wenn jedoch eine Zahl vor die Nullen kommt, wird alles schlagartig anders, dann wird rasch eine Million draus: 1.000000 Euro. Oder noch viel höhere Zahlen. Alles liegt also an der Zahl vor den Nullen. Ich behaupte daher, dass der Reichtum eines Lebens dramatisch steigt, ja, überhaupt erst entsteht, wenn ein Name vor den Buchstaben der Existenz und damit der Biographie eines Menschen steht. Kein Geheimcode, sondern ein Name, der allen bekannt werden will und kann: Gott.

Setze ich im Glauben den Namen Gottes vor meinen Namen, dann wird aus mir ein unsagbar beschenkter Mensch, der sich einfach freuen muss. Die Betonung liegt auf „muss“. Denn anders wäre man ein undankbarer Schnösel. Ein armer Mann, eine arme Frau. Selbst bei einem dicken Bankkonto. Jeder Mensch ist geliebtes Kind Gottes – unendlich wertvoll in seinen Augen.

Das ist die Basis für ein ganz neues Lebenswertgefühl. Dem vorher total verzagten Menschen wird nicht ab sofort alles gelingen. Doch es ist eine neue Basis da, auf der er sich entfalten kann. Wenn er sich zu dick fühlt, wird er vielleicht eine Kampfdiät schaffen. Wenn sie sich zu dünn fühlt, wird sie sich beim Arzt beraten lassen. Und wenn sie froh sind, die beiden, werden sie es einander sagen. Vielleicht verlieben sie sich sogar. Und der Freund vom Anfang mag sich endlich auch selbst. Er beginnt sogar zu beten. „Ich danke dir, mein Gott, dass du mich geschaffen hast und mich sogar liebst.“

Das heutige Sonntagevangelium stellt uns Gott als einen liebevollen und verzeihenden Vater vor. Das ist er, der Name, der vor die Nullen unseres Lebens kommen will. Nein, kein Absolutheitsanspruch des Christentums. Doch das absolute Angebot Gottes an alle Menschen.

Ihr Pfarrer