Das Wort zum Sonntag – Ostersonntag

Liebe Pfarrgemeinde!

Darf man in der Kirche lachen?

Wie kann man nur sowas fragen, werden da einige wohl meinen. Manche denken ja immer noch, dass man sofort nach Überschreiten der Kirchentürschwelle auf Melancholie umschalten muss. Darum kommen sie gar nicht erst an diesen traurigen Ort, sondern bleiben lieber länger im Bett. Sie kriegen also nicht mehr mit, wie sich in vielen Gemeinden die Atmosphäre verändert hat. Auch falsche Informationen können der Grund für den fehlenden Glauben sein. Sich einmischen und mitmischen, das wäre eine gute Reaktion.

In der Kirche darf nicht nur, es muss sogar gelacht werden. Das hat entscheidend mit Ostern zu tun. Natürlich ist uns nicht immer zum Lachen zumute, vieles in unserer Welt ist auch nicht zum Lachen, sondern eher zum Heulen, doch der Grundton der Osterfreude soll sich durch das ganze Jahr ziehen. Die Osterfreude ist die Grundströmung des Glaubens. Es sollte durchaus auch richtig gelacht werden.

In der frühen Kirche und später weiterhin in der Ostkirche gab es das sogenannte „risus paschalis, das frohe „Osterlachen“. Es war regelrecht eine Gottesdienstordnung, die kirchlich anerkannt war und mit großer Begeisterung praktiziert wurde.

Die Menschen saßen in der Nacht von Karsamstag auf Ostern ganz still in den Bänken oder auch auf dem Boden der Kirche. Man hörte den Atem des anderen. Die Gläubigen dachten still nach über den Weg Jesu zum Kreuz, wie er für uns gelitten hat und was das für unsere ganz neue Beziehung zu Gott bedeutet.

Aber dann ging’s los. Schlag 0.00 Uhr in der Mitte der Nacht brach sie aus wie eine Explosion, die Osterfreude. Das „Ostergelächter“ hallte durch die Kirche. Die Priester riefen es aus, Christus ist auferstanden und die Menschen lachten und umarmten sich vor Freude. In den Predigten am zweiten Ostertag sollten die Pfarrer lustige Predigten halten, die zum Lachen reizten. Das war eine sehr beliebte Tradition.

In späteren Zeiten wurde der Gottesdienst mit dem Osterlachen von den Bischöfen abgeschafft, weil es mancherorts zu bunt getrieben wurde. Es gab anstatt des Lachens wohl eher ein Gebrülle. Das Wirtshaus landete in der Kirche.

Schade eigentlich, ich würde zu gerne auch heute noch eine Osterlachpredigt halten.

Die Osterfreude der Christinnen und Christen kommt aus der Botschaft von der Auferstehung des Gekreuzigten. Sie ist durchs Feuer gegangen, sie kommt aus jener „Explosion“, in der Gott seinen Weg mit der Welt neu begonnen hat. Das Grab Jesu wurde von Gott aufgebrochen, nun ist der Deckel der Angst von allen Gräbern abgeräumt und wir werden leben, auch wenn wir sterben. Ostern vertreibt aus uns die Todesangst, das Leben mit Christus geht weiter, immer weiter, auch durch die Wand des Todes.

Nun gilt, was der große Theologe des 20. Jahrhunderts, Karl Barth, gesagt hat: „Wer die Osterbotschaft gehört hat, der kann nicht mehr mit tragischem Gesicht umherlaufen und die humorlose Existenz eines Menschen führen, der keine Hoffnung hat.“

Ostern geht weiter. JESUS LEBT !!

Ein heiteres und gesegnetes Osterfest wünscht Ihnen von ganzem Herzen

Ihr Pfarrer