Das Wort zum Sonntag – Palmsonntag

Liebe Pfarrgemeinde!

Mit dem Palmsonntag beginnen wir die Karwoche.

In der heutigen Sprache müsste man eigentlich sagen: es ist eine Woche des Skandals und der Skandale. Denn dass da ein Messias auftrat, der seine „frohe Botschaft“ vom heileren und erlösteren Dasein verkündete und dann dafür ans Kreuz geschlagen wurde, ist schon ein starkes Stück. Wie groß die Hoffnungen waren, die die Menschen damals an Jesus und seine Botschaft knüpften, zeigt sich heute am Einzug in Jerusalem. Sie riefen wie im geschlossenen Chor: „Hosanna!“ Auf Deutsch bedeutet das: „Hilf uns doch!“

Kurze Zeit danach brüllten sie ebenso geschlossen: Ans Kreuz mit ihm. Lass uns lieber den Räuber Barabbas frei.

Was bedeutet das Ganze eigentlich?

Paulus hat damals schon geschrieben: „Das Kreuz Christi sei in den Augen der Juden ein empörendes Ärgernis; in den Augen der Heiden eine Torheit.“ Für Paulus und die Christen sei es allerdings ein Zeichen von Gottes Kraft und Weisheit.

Ob wir auch so weit sind wie Paulus?

Oder sind Leiden und menschliche Kreuze nicht doch vielmehr auch für uns empörende Ärgernisse, Torheit und Dummheit?

Wie sollen wir umgehen mit den Konzentrationslagern und Gaskammern von Auschwitz und Mauthausen? Wie sollen wir umgehen mit dem Krieg und dem Elend in Syrien und anderswo? Wenn wir in unsere Krankenhäuser schauen, sehen wir unheilbar krebskranke Kinder und Jugendliche, dahinsiechende Alte und Schwerverletzte. All das ist Realität in unserer Welt. Wie sollen wir damit umgehen?

Alles Leid und Unglück macht deutlich, dass wir Menschen Teile einer Schöpfung sind, die für sich genommen unerlöst ist. Wie wir Menschen, so sehnt sich die ganze Schöpfung nach Heil und Erlösung. Vielleicht können wir so verstehen, was Paulus meint. Indem wir immer wieder konfrontiert sind mit uns selbst und mit unserer Lebenslage, bleiben wir hingeordnet auf den, der allein zu erlösen und endgültiges Heil zu schenken vermag.

Nicht umsonst endet die bevorstehende Karwoche nicht in einer Katastrophe. Paul Claudel fasst dies in die Worte:

„Gott ist nicht gekommen, das Leid zu beseitigen, er ist nicht gekommen, es zu erklären,
sondern er ist gekommen, es mit seiner Gegenwart zu erfüllen.“

Ihr Pfarrer