Das Wort zum Sonntag – 5. Fastensonntag

Liebe Pfarrgemeinde!

In der Mitte des heutigen Evangeliums steht das Bild vom Weizenkorn: „Wenn das Weizenkorn nicht auf die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein; wenn es aber stirbt, bringt es reiche Frucht.“ (v24) – Der Sinn des Weizenkorns liegt also nicht in sich selbst, dass es einfach irgendwo herumliegt, sondern darin, dass es hingegeben wird: Entweder, dass es mit anderen Körnern gemahlen und gebacken, oder – und darauf kommt es hier an – dass es in die Erde gesät wird und daraus ein Getreidehalm hervorwächst, in dessen Ähre reiche Frucht heranreift.

Auffällig ist, dass vom Sterben des Weizenkorns gesprochen wird. Wir sehen darin am Horizont vielleicht schon den Tod Jesu am Kreuz, der dann auch ganz konkret angesprochen wird (v27). Was schön im Bild vom Weizenkorn hervortritt, ist die Hingabe für die vielen – eine Thematik, die die Evangelisten in ihrer Abendmahl-Erzählung aufgreifen, wenn sie erzählen, dass Jesus beim Herumreichen des Kelches sagt, dass sein Blut für viele vergossen wird (z. B. Mt 26,27f).

Aber nicht nur der nahe Tod Jesu ist angesprochen; Jesus wendet das Bild vom Weizenkorn auch auf seine Jünger an – das heißt: auf uns! Jesus sagt: „Wer an seinem Leben hängt, verliert es; wer aber sein Leben in dieser Welt gering achtet, wird es bewahren bis ins ewige Leben.“ (v25) – auf gut Deutsch: „Wer sein Leben in dieser Welt liebt, verliert es; wer sein Leben in dieser Welt hasst, wird es bewahren“ – Immer dann, wenn Jesus so radikal zwei Pole gegenüberstellt wie heute, dann geht es fast sicher um die grundsätzliche Lebensausrichtung seiner Jünger – also um unsere Haltung im Leben: Woran hänge ich mein Herz? Worauf baue ich? Was erwarte ich für mich? Wie ernst ist es mir mit dem Glauben?

Nehmen wir die Geschenke an, die uns Jesus heute anbietet: Auch wir gehören zu den vielen, für die Jesus sein Leben hingibt, auch wir gehören zu den vielen, die heutzutage herausgefordert sind, zu ihrem Glauben zu stehen, selbst wenn das ein müdes Lächeln oder gar Anfeindungen einbringt.

Besonders bewegen mich dabei Menschen, die nach außen hin eigentlich keinen Grund zur Freude haben, die aber trotzdem fröhliche und lebenslustige Menschen sind. Sie hängen ihr Herz auf Gott, der sie dazu befähigt. Denn er schenkt die Gewissheit: Egal, was mir auf dieser Welt zustößt – bei mir bist du in Ewigkeit geborgen!

Pastoralassistent Michael Mitter