Das Wort zum Sonntag – 3. Fastensonntag

Liebe Pfarrgemeinde!

So kennen wir Jesus eigentlich nicht, wie wir ihn in diesem Sonntags-Evangelium erleben, wo er voller Zorn die Händler und Geldwechsler aus dem Tempel hinaustreibt.

Wenn wir Jesus beschreiben sollten, sprechen wir wohl eher von einem Friedensstifter, wir sehen ihn als jemand, der barmherzig ist, der heilt, als jemanden der Worte findet, die gut tun. Woher kommt dieser Gefühlsausbruch, diese Wut auf einmal? Warum? Was hat es damit auf sich? Ich denke, weil der Blick auf Gott verstellt wurde – Gott zur Nebensache wird.

Der Tempel – die Kirche und eine Pfarre muss der Ort sein und bleiben, an dem Menschen Gott in besonderer Weise begegnen können. Da muss deutlich werden, wie Gott mit jedem Menschen umgeht und wer jeder Mensch für Gott ist.

Insofern macht es Sinn und tut richtig gut, dass in der Kirche diskutiert wird. Für mein Empfinden haben wir auch nicht wirklich eine Streitkultur, wo es auch mal heftiger – mit Worten - zugehen darf und gleichzeitig aber der Respekt vor jeder Person als Abbild Gottes spürbar wird. Da tut es gut zu sehen, wie Papst Franziskus so manches ablegt, dass nur noch höfisch absolutistischer Klimbim war. Und es tut auch gut zu sehen, dass die Kirche dort wieder an Autorität und Achtung gewinnt, wo sie sich um Menschen kümmert, wo sie mutig auftritt und den Menschen in seiner ganzen Bedürftigkeit aber auch in seiner Gott-Ebendbildlichkeit in die Mitte stellt und eigene Privilegien geringer achtet.

Für diesen unverstellten Blick auf Gott steht Jesus ein. Darum geht es auch jetzt in der Fastenzeit bei uns. Und das geht wohl nicht immer ganz emotionsfrei.

Franz Pamminger