Das Wort zum Sonntag – 7. Sonntag im Jahreskreis

Liebe Pfarrgemeinde!

Fasching, insbesondere der Faschingssonntag - der Inbegriff des lustigen Treibens, der Ausgelassenheit, des Lachens schlechthin. Neben der Trauer gibt es wohl keine Gemütsbewegung, die so eine emotionale Tiefe einnehmen kann wie das Lachen. Ein äußeres Zeichen dafür sind die vielen Redewendungen und Sprichwörter, die sich um das Lachen drehen:: „das wäre doch gelacht“, „dass ich nicht lache“, „das Lachen vergeht jemandem“, „nichts zu lachen haben“, „gut lachen haben“, „sich einen Ast lachen“, „der lachende Dritte sein“, wer zuletzt lacht, lacht am besten“, „mit einem lachenden und einem weinenden Auge“, „zum Lachen in den Keller gehen“, und viele mehr.

Dass es auch unter den Heiligen durchaus humorvolle, dem Lachen nicht abgeneigte Exemplare gegeben hat soll eine kurze Zusammenstellung von Anekdoten zeigen:

Philipp Neri: Als Jugendlicher im Internat kam er oft zu spät. Einmal fand er nicht aus dem Bett … und sein Erzieher ermahnte ihn: „Wenn es läutet, stell dir vor, du bist im Fegefeuer und Gott ruft dich …“ Am nächsten Tag war er wieder verspätet und seinem Präfekten erklärte er das so: „Ja, ich dachte an das Fegefeuer. Dann aber sagte ich zu mir selbst: Du hast schon so viele Dummheiten gemacht, du musst wohl länger im Fegefeuer bleiben – und da bin ich liegen geblieben …“

Franz von Sales: Ein Mann fragte ihn lauernd: „Was würden Sie tun, wenn ich Sie auf die rechte Wange schlage?“ Der Heilige antwortete lächelnd: „Mein Freund, ich weiß, was ich tun sollte, nicht, was ich tun würde.“

Pfarrer von Ars: Ein beleibter Priester sagte zu dem Pfarrer von Ars: „Wenn es zum Sterben kommt, möchte ich mich an Ihrem Talar anhalten dürfen und mit in den Himmel gehen.“ Aber der Heilige wehrte ab: „Besser nicht, der Eingang ist so eng, dass wir zu zweit stecken bleiben würden.“

Teresa von Avila: Als es ihr einmal auf einer Reise sehr schlecht ging, blickte sie zum Himmel auf: „Herr, mich wundert nicht, dass du so wenig Freunde hast – so wie du sie behandelst.“

Johannes XXIII.: Einmal kam der Nuntius Roncalli neben eine etwas gewagt gekleidete Frau zu sitzen. Er schien es nicht zu bemerken. Am Ende des Mahles reichte er ihr einen Apfel und, als sie abwehrte, sagte er: „Nehmen Sie nur, auch Eva bemerkte erst, als sie den Apfel gegessen hatte, dass sie unbekleidet war.“

Viele solcher Anekdoten gibt es - man könnte wahrscheinlich ein Buch damit füllen. Neben dieser emotionalen Komponente des Lachens gibt es jedoch auch eine spirituelle. Getragen von der Gewissheit, dass wir in Gottes Hand geschrieben sind, haben wir bei allen Umständen, die uns das Lachen vergehen lassen könnten, Grund genug trotzdem fröhlich zu sein. Sich von Gott getragen zu wissen befreit, nimmt Lasten von den Schultern, schafft eine Leichtigkeit des Seins. Von dieser Leichtigkeit des Seins ist es nur mehr ein kurzer Weg zum Lachen. Zum Lachen, das aus der Tiefe unserer Seele kommt. Zum Lachen, das geboren wird aus der Zusage: „Ich bin bei euch alle Tage der Welt“, „ich lasse euch nicht als Waisen zurück“, was so viel heißt wie „ich lasse euch nicht im Stich“. Ein solches Lachen wünsche ich uns nicht nur heute am Faschingssonntag.

Heinz Kratochwill