Das Wort zum Sonntag – 6. Sonntag im Jahreskreis

Liebe Pfarrgemeinde!

Heute hören/lesen wir: Das überlieferte Gesetz und die Propheten sollen auf Punkt und Beistrich ihre Geltung behalten.

Nichts soll verändert – alles soll erfüllt werden. Das erinnert uns an die Taufe Jesu im Jordan, wo er bereits davon sprach, die Gerechtigkeit ganz erfüllen zu wollen. Gesetz und Gerechtigkeit zu erfüllen ist für Jesus offenbar etwas anderes, als diese bloß zu beachten und einzuhalten. Deshalb hören/lesen wir dann mehrmals diese sonderbaren Worte:

„Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist – ich aber sage euch.“

Diese sogenannten „Antithesen“ Jesu haben einen Zweck. Sie verweisen auf den tieferliegenden Sinn der Vorschriften. Sie verdeutlichen, worum es eigentlich geht. Die religiösen Gesetze und Gebote sollen uns Menschen nicht kleinkrämerisch und hartherzig machen, sondern sensibel für die Motive, die uns bewegen. Die Frage lautet: Was tut sich in deinem Herzen, wenn du einem anderen Menschen begegnest?

Unsere tiefsten Beweggründe bestimmen unser Handeln; zumindest auf längere Sicht. Kurzfristig kann man gerecht erscheinen, wenn man Gesetze penibel einhält und von anderen einfordert. Langfristig bedeutet die Erfüllung des Gesetzes aber eine innere Haltung, die auch dort noch wirkt, wo Vorschriften nicht ausreichen oder versagen. Gerecht zu sein geht im Sinne Jesu weit über den Buchstaben des Gesetzes hinaus.

Darum kann er die Frage des Gesetzeslehrers nach dem wichtigsten Gebot so klar beantworten: „Du sollst den Herrn, deinen Gott lieben …. und deinen Nächsten wie dich selbst.“ (Vgl. Mt 22,37ff)

Diese Liebe prägt uns Menschen von innen her. Sie macht frei und zugleich empfindsam für das, was in den unterschiedlichen Situationen meines Lebens von mir gefordert ist. Gesetze und Regeln sind dann hilfreiche Wegweiser. Sie sind aber kein Selbstzweck und verweisen nur auf das Ziel: die Liebe. Jene Liebe, die im Alltag konkrete Gestalt annehmen will: Im Zeit-Haben, im Trösten, im Verzeihen, im Geduld-Haben, im Zuhören, im Schenken und in jeder aufrichtigen Begegnung.

Liebe Freunde!
Vielleicht haben wir Zweifel daran, dass dies tatsächlich gelingen kann. Vielleicht ist es ein frommer Wunsch. Vielleicht sind wir damit völlig überfordert. Jesu Wort jedoch bleibt an uns gerichtet: „Ich aber sage euch …“
AMEN.

Kurat Michael Lubega