Das Wort zum Sonntag – 5. Sonntag im Jahreskreis

Liebe Pfarrgemeinde!

"Fürchte dich nicht!"

Ist es diese Zusage, die ein Mensch nach einer Gotteserfahrung braucht? Angesichts der übervollen Netze und Fischerboote kann Simon nicht anders, als vor Jesus auf die Knie zu fallen, sich klein zu machen und erschüttert um Distanz zu bitten. Aber bleibt er in diesem seelischen Zustand? Oder aktuell gefragt: Muss ich vor Gott erst auf die Knie, um von ihm anerkannt zu werden, um es ihm "recht" zu machen? Ist dies die Botschaft Jesu?

Simon erfährt die göttliche Macht Jesu in für ihn im wahrsten Sinne des Wortes ergreifender Weise: Das Fischwunder, die übervollen Netze, führen ihm vor Augen, wer Jesus ist und in welchem Auftrag er unterwegs ist. Somit ist dieses Ereignis keine Drohung für Simon, sondern der Beweis der göttlichen Macht, die das Irdische - um das Bild der fast zerreißenden Netze zu überbieten - übersteigt und aufbricht und für Simon eine neue Lebensgewissheit eröffnet: In Jesus ist Gott bereits hier und jetzt erfahrbar.

Angesichts dieser neuen Sicht hat Simon keine andere Kategorie seines Handelns als demütig zu werden, sich selbst seiner Begrenztheit, seiner Endlichkeit bewusst zu werden, weil alles andere Bisherige seine Größe verloren hat. Die Aussage "Fürchte dich nicht!" ist es dann, die Petrus zu neuer Größe aufrichten lässt.

Dies ist das eigentliche Wunder der Erzählung: Nicht die übervollen Netze nach einer bereits erfolglos durchgearbeiteten Nacht auf dem See Gennesaret, sondern das damit verbundene Wort Jesu und seine Wirkung auf Simon: Ein Neuanfang, ein "gnadenhaftes", geschenktes Ereignis, das zugleich auf die neue Größe des Simon verweist: Als Menschenfischer wird er künftig unterwegs sein, so die Prophezeiung Jesu.

"Fürchte dich nicht!" Welch ein Zuspruch, welch eine Kraft! So wird die Gotteserfahrung zum Berufungsgeschehen. Lassen wir uns diese Zusage an diesem Sonntag schenken: "Fürchtet euch nicht!"

Ihr Pfarrer