Das Wort zum Sonntag – 6. Sonntag im Jahreskreis

Liebe Pfarrgemeinde!

Weil Fasching ist, möchte ich die Gelegenheit kurzerhand beim Schopf packen und Ihnen erzählen, wovon ich als Linzer Faschingsnarr so träume:

Ich träume von einer Gesellschaft, in der für jede und jeden Platz ist. Wo nicht das dicke Auto und das fette Bankkonto, sondern die Kräfte des Herzens das Sagen haben. Ich träume davon, dass in dieser Gesellschaft auch die Tiere als achtenswerte Mitgeschöpfe und nicht als Handelsware gesehen werden.

Ich träume von einer Wirtschaft, durch die die Ressourcen unseres Planeten nicht „auf Teufel komm raus“ ausgebeutet werden, sondern für die ein sorgsamer und verantwortungsbewusster Umgang mit der Schöpfung Selbstverständlichkeit ist. Ich träume von einer Geisteshaltung, durch die es allen sonnenklar ist, dass auch nächste Generationen ein Recht auf diese Welt haben - in ihrer ganzen Schönheit und mit ihrer unglaublichen Artenvielfalt.

Ich träume von einer Politik, die den Menschen in den Mittelpunkt ihres Handelns stellt. Ich träume davon, dass zumindest die Sätze „Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren“ und „Alle haben das Recht auf Leben, Freiheit und Sicherheit der Person“ aus der „Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte“ endlich überall Wirklichkeit werden.

Ich träume davon, dass in unseren Kirchen und Religionsgemeinschaften Machtfragen nichts verloren haben. Und ich träume weiter, dass sie in ehrlicher Offenheit für die Menschen da sind und Antworten auf die Probleme der Gegenwart zu geben versuchen. Dass sie den Menschen Hoffnung vermitteln und tatkräftig und phantasievoll helfen, wo auch immer ihre Hilfe gefragt ist.

Ich träume von einem Journalismus, der den Menschen in unserem Land nachhaltig gut tut, für den die gute Nachricht die bessere ist, in dem Platz ist für Fairness und eine redliche Recherche ohne vorprogrammierte Skandalschlagzeile.

Ich träume von Menschen, die durch ein Lächeln unsere Welt zum Leuchten und durch ein freundliches Wort den Alltag zum Klingen bringen, die schlicht und ergreifend durch ihr Menschsein dem Leben immer wieder eine neue, positive Richtung geben.

Wer weiß – vielleicht wird der eine oder andere Traum eines hoffnungslos optimistischen Faschingsnarren irgendwann einmal Wirklichkeit.

Bis dahin gilt für all jene, die ich durch meine Narrenträume möglicherweise ein wenig irritiert oder verstört haben mag, der streng traditionelle Faschingsreim: „Dass niemand ernsthaft bös' mir sei: 's ist ja nur Faschingsnarretei!“

Ihr Pfarrer